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Blick nach Süden

Dieses Pessach wird viel von Befreiung geschrieben, Revolutionen, Sieg über die Diktatoren…Wünsche nach Lybien, Syrien in den Jemen gesandt und überall dorthin, wo sich die Menschen von ihren Despoten befreien wollen. Und wir sehen, Revolutionen können nicht erzwungen werden, sie müssen von innen entstehen, aus den Menschen heraus.

Wenn ich die Nachrichten beobachte, die Kämpfe und Hoffnungen denke ich 22 Jahre zurück. Und denke daran, welches Glück wir hatten, dass dieses Mal keine Panzer auffuhren. Die Menschen nicht getötet wurden, wie es schon einmal passiert war. Ich denke aber auch an die Angst zurück, die bei jeder Demonstration, bei jedem Treffen mitging. Dinge, die heute zu oft vergessen sind. Fast scheint es, als wäre es kein Problem gewesen, diese Mauer einzureißen, die Diktatur zu stürzen. Menschen vergessen, warum dies alles geschehen ist. Und wenn sie sich an die Zeit davor erinnern, fragt man sich fast, warum es dann in der DDR eine Revolution gegeben hat, wenn doch alles so schön war? Nur sind wir in Deutschland ein wenig davor gefeit, wieder in alte Muster zu verfallen, da wir ein anderes Gegenstück haben – eben die andere Seite Deutschlands. Schaut man in die anderen Länder des ehemaligen Ostblocks ist es nicht so. Man schwankt zwischen Rückfall in die alten Systeme…oder sieht im Nationalismus sein Heil. Als die Linke bei den letzten Wahlen zumindest in NRW und RP scheiterte, war es für mich eine Erleichterung. Klar, alles außer Grün scheitert dieser Tage an irgendwas…dennoch. Eine kleine Schlappe ist schon mal was.

Als ich neulich mal wieder von früher erzählte, wollte man mir nicht glauben. Zu sehr sind die Bilder verwischt, bzw. in Westdeutschland schlicht unbekannt. Ich weiß noch genau, wie unser Obst- und Gemüseladen aussah. Man kam rein und links war die Auswahl: Kartoffeln, Äpfel, Kohl rot oder weiß…meistens rot. Und wenn ich dann lese, dass eine Sendung „Zeitzeugen“ aus der DDR sucht, im Alter von 20 – 15 Jahren (heute!), lache ich mich kaputt. Mehr als verwaschene Erinnerungen der Eltern kann man da wohl kaum finden.

Aber was ich eigentlich sagen wollte, ich hoffe, dass die Menschen in all diesen Ländern heute, die sich nach Freiheit und Demokratie sehnen, diese erreichen werden. Ich hoffe, sie werden den langen Atem haben, den es brauchen wird und nicht den einfacheren Weg zurück gehen – nur weil es besser scheint. Und ich wünschte mir, in Deutschland wäre man etwas dankbarer für das, was wir erreichen konnten, wie weit wir sind, trotz allem! Ich wünschte mir mehr Verständnis füreinander. Oder wie erzählte neulich ein Dokumentarfilmer: im Osten spielt die „Wende“ im Bewusstsein der Menschen eine zentrale Rolle, im Westen überhaupt keine. Ein bisschen mehr Dankbarkeit und vielleicht auch sogar Stolz auf eine gelungene Revolution dürfen wir ruhig haben.

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