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Kuschelzeit (?)

Inspiriert durch den Film „Matchmaker„, der jüngst im Fernsehen lief, und durch das Gespräch, dass ich neulich hatte, habe ich mir mal wieder ein paar Gedanken zu diesem Thema gemacht. Der Film brachte es, wie ich fand auf den richtigen Punkt und stellt die Situation nicht nur schweizer Jüdinnen gut dar. Es ist einfach schwer, einen jüdischen Partner zu finden, wenn nicht sogar fast unmöglich. Nach einer Weile kennt man alle und ist man bis dahin nicht fündig geworden, muss man dann doch weltweit suchen. Eine Situation, die vielleicht auch die hohe örtliche Beweglichkeit von Juden erklärt, die einen ebenso jüdischen Partner haben wollen. Ebenso meine ich so, als das auch dort einiges passen muss. Der reine Fakt, jüdisch zu sein, reicht nicht, birgt meist sogar Anlass zu Differenzen.Schauen wir uns also mal die Situation an. Vermutlich ist es leichter, wenn man orthodox ist. Aber wie sagte neulich eine Freundin, der Kandidat müsste zumindest auch etwas äußerlich ansprechend sein, schließlich spielt das auch eine Rolle. Sie ist inzwischen nicht mehr in Deutschland, wird nun in den USA ihr Leben weiterführen. Wünschen wir ihr Glück. Und da ich es ihr auch schon gesagt habe, zuviele Kompromisse wurden geschlossen. Aber nun ja, vielleicht braucht man auch einfach nur genügend Willen, um sowas durchzuziehen.Wir haben also die Wahl zwischen allerlei jüdischen Schattierungen, aber es muss ja gerade da passen, oder nicht? Da erscheit es schon irgendwie skuril, dass es gelegentlich einfacher ist, einen absoluten Außenseiter in die Merkwürdigkeiten unserer Traditionen einzuführen, die für uns doch alles andere als das sind: merkwürdig. Bewusst wird es erst dann, wenn Dinge hinterfragt werden. Allerdings stelle ich in der letzten Zeit fest, dass viele Dinge offensichtlich überhaupt nicht so präsent sind, wie ich eigentlich dachte. Als Beispiel. Ich wohne in einer WG. Das heißt, ich bin Hauptmieter und meist bleiben die Mitbewohner nur ein paar Monate. Da mein Haushalt vegetarisch ist und ich auch nur das zulasse, gibt es keine Spirenzchen in der Küche und auch kein Wundern. Allerdings erstaunt es mich dann doch, dass bei so offensichtlichen Sachen, wie Fehlen jeglicher Weihnachtsathmosphäre und wie jetzt dem abendlichen Anwachsen der Kerzenzahl in den Fenstern der Gemeinschaftsräume, nicht bemerkt werden. Also, entweder ist es Ignoranz oder schlicht Unwissen. Nun ja, mir ist es ganz angenehm. Die Mesusot werden offensichtlich als seltsame Macke oder Glücksbringer wahrgenommen.Und so läuft es auch beim Kennenlernen von Männern. Es wird nicht registriert. Aber wie hieß es dann auch bei „Matchmaker“, wenn die Kinder kommen, werden die Dinge anders. Auch Anna schrieb schon hinreichend über das Dilemma der torschlusspanischen jüdschen Frau. Ein gutes Beispiel.Es gibt wohl einfach keine perfekte Lösung. Es ist schwer, überhaupt einen guten Partner zu finden, wenn es auch noch der gleiche religiöse Hintergrund sein soll, wird es (fast) unmöglich. Die Nadel im Heuhaufen. Und jetzt im Winter, scheinen sich die Leute noch mehr zusammentun zu wollen, Kuschelzeit eben. Und so schaue ich auf’s siebte Licht und bin irgendwie doch ganz zufrieden, dass ich das Problem mal nicht habe. Und allen Suchenden, wünsche ich viel Glück. Denn eines kann ich sagen, es gibt sie auch, diese Glückstreffer, und meistens passieren sie, wenn man nicht daran denkt, wenn man wohl nicht sucht. Zwei Hochzeiten konnte ich so im vergangenen Jahr besuchen. Und das waren Liebesheiraten.

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