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Der Tag ist vorbei

…und es klingelte oft heute Abend. Kinder, die Süßigkeiten wollten, Spaß hatten. Ich zweifle, dass kaum einer der Eltern wüßte, warum es diesen „Brauch“ gibt. Woher er kommt.

Aber noch etwas anderes war heute, gern vergessen in all den Kostümen und in anderen Jahren in Berlin so oder so gut zu übersehen: Reformationstag.

Ich habe mir heute zum ersten Mal den Film „Luther“ angesehen. Gut gemacht, einfach gemacht, vermutlich leicht verständlich. Einseitig gemacht, heroisch. Mit all den Leistungen und positiven Veränderungen, die Luther in die Kirche brachte, wird auch vergessen, dass er für Juden kein Segen war. Ihm „verdanken“ wir zum Beispiel dieses:

(„Judensau“ an der Wittenberger Stadtkirche)

Dazu Luther: „Hinter der Saw stehet ein Rabin, der hebt der Saw das rechte Bein empor, und mit seiner lincken hand zeucht er den pirtzel uber sich, bückt und kuckt mit grossem vleis der Saw unter dem pirtzel in den Thalmud hinein, als wolt er etwas scharffes und sonderlichs lesen und ersehen.“ (Luther, Schem Hamphoras, 1546)

Am Ende des Filmes stand, Luther bereitete mit seiner Reformation der Kirche den Boden für Religionsfreiheit. Das tat er nicht. Er reformierte die Kirche, beendete Ablass und Verdummung. Aber Respekt vor anderen Religionen hatte er nicht. In diesem Sinne ist er nicht anders als seine katholischen Gegner.

4 Comments

  1. In Wittenberg gibt es zumindest eine erklärende Tafel, die sich distanziert. Auch im Dom in Brandenburg / Havel gibt es eine Judensau – allerdings unkommentiert.

  2. Gleiches habe ich auch gedacht. Auf der einen Seite möchte er allen Menschen die Möglichkeit geben selber zu urteilen. Auf der anderen Seite stand er Andersdenkenden doch recht intolerant gegenüber. Toleranz und Akzeptanz scheinen dann doch allzu oft nur Mittel zum Zweck zu sein, nicht das eigentliche Ziel.

  3. Oh, "Judensäue" gibt es ja an vielen Orten. In Wittenberg sah man sich dann doch genötigt, was zu tun, zu schreiben. Aber es sind nicht nur die Säue, es sind auch die blinde geschlagene Synagoga neben der strahlenden Ekklesia, die die "einzige Wahrheit" besitzt…
    Man muss wohl von Glück sprechen, dass viele Menschen nichts mehr damit anfangen könnten. Als ich noch im JMB arbeitete, traf ich auf eine junge Frau, frisch zum Christentum bekehrt, die ganz verstört war, da sie erst dort von diesen Bildern und ihren Zusammenhängen erfuhr.

  4. Karl Karl

    Dann doch lieber Hexen mit "Süsses sonst gibts Saures" Sprüchen – auch wenn die nicht wissen wo der Brauch herkommt.
    Einfach nur Spaß – ohne großartig zu ergründen, wo was herkommt; Kinder können das, wir leider nicht (mehr).
    Wir brauchen etwas zum "Aufregen" – auch wenn es schon fast 500 Jahre her ist.

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