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Abschied

Gestern, am 11. September gedachte die Welt wohl zumeist den Opfern der Anschläge des 11. Septembers 2001, oder besser auch denen danach. Denn wie sehr hat sich die Welt danach geändert.

Aber etwas anderes bewegte mich gestern mehr – der Tod von Bärbel Boley, die gestern im Alter von erst 65 Jahren starb.

Mit ihr verbindet mich ein wichtiger Teil meiner Kindheit, meiner Erinnerungen und meiner Prägungen. Und irgendwie ist es seltsam, dass jetzt ein Teil davon gestorben ist. So präsent sind diese Zeiten noch in mir. Die Stimmung in diesen letzten Monaten der DDR, die Angst, aber auch der Mut, mit dem ich rückblickend betrachtet, das Glück hatte, erwachsen zu werden. Es hat mich geprägt, mehr noch, als diese andere Identität, um die es hier viel mehr geht.

Aufrecht sein, oponieren, wo es Not tut und damit meine ich nicht, das Eigene. Ich meine nicht, sich nur um das eigene Wohl zu kümmern, das eigene Vorankommen oder Absichern, sondern sich für Werte einsetzen, die das Leben erst zum Leben machen. Für mich so selbstverständlich, dass ich nicht darüber nachdenken muss. Aber offensichtlich doch viel weniger selbstverständlich, als ich es mir vorstelle.

Erst jüngst hatte ich so eine Diskussion. Oft hört man von DDR-Geborenen, wenn man sich ruhig verhielt, hatte man nichts zu befürchten. Wie schlecht wird mir bei diesem Satz. Und neulich auch von der anderen Seite, dem sogenannten Westen, die Frage, warum man denn aufbegehren sollte, wenn man still vor sich hin gelebt hätte, wäre man doch uninteressant gewesen. Ja warum? Es geht um mehr im Leben als das eigene kleine selbst. Dadurch, dass wir uns immer mehr nur um uns selbst kümmern, rücksichtslos und ohne Gewissen werden wir zu keinem friedlichen Leben kommen. Denn nicht nur ich, bin mir selbst die Nächste, sondern eben auch die Menschen, die mich umgeben und mit denen ich in dieser Welt lebe.

Doch vielleicht war auch Bärbel Boley rücksichtslos, eben sich selbst gegenüber, es ging um mehr, als dieses eigene kleine, darum, dass das eigene Leben, das Glück eben nicht nur in der Wohnung, der Pappe und dem Urlaub an der Ostsee bestehen kann, sondern auch mehr, dass man Gedanken ohne Angst frei äußern kann, dass Privates tatsächlich privat ist und dass jeder aus seinem Leben machen kann, was er möchte, zumindest die Chance dazu hat.

All das wird inzwischen in der Jagd nach dem neuesten technischen Gimmick, nach den Klamotten der Saison vergessen. Es gibt wichtigeres im Leben und mit Bärbel Boley geht ein Mensch, dem das bewusst war und der dafür einstand.

Danke Bärbel!

2s Kommentare

  1. Es gibt Wichtigeres im Leben als sein eigen kleines Ich oder eine Religion!!!
    Frau Bohley hat es erkannt und dafür gelebt.
    Mut und Ausdauer dieser Person hat unsere Gesellschaft fortschreiten lassen.
    Und Du, meine liebe Juna, hast den selben Mut ; und hoffentlich die gleiche Ausdauer, um weiter Menschen wie uns zu bewegen,das Richtige zu tun !!

    Dankeschön.

  2. Himmel…jetzt bin ich total gerührt, eigentlich eher sprachlos..danke!

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