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Ein Architekt spricht über Berlin

Obwohl ich Hans Kollhoff jetzt nicht gerade soooo toll finde. So muss ich ihm zugestehen, dass seine Häuser in Berlin doch etwas anders sind. Der „Sitzende Bär“ am Potsdamer Platz ist irgendwie anders als all die anderen Selbstbeweihräucherungen der Architekten dort. Und auch das Haus Unter den Linden in Mitte ist zumindest mit Phantasie irgendwie noch angelegt an alte Strukturen. Man kann fast vermuten, Herr Kollhoff machte sich gedanken, wie Häuser in die Stadt passen. Vor allem ob sie überhaupt nach Berlin passen. Jetzt scheint (endlich!) eine Diskussion in Gang gekommen zu sein über die Zerstörung Berlins durch immer neue Glas-Beton-Kästen ohne Seele, anonyme langweilige Bauten, die überall sonst auf der Welt stehen könnten und doch so gar nicht in diese Stadt passen.

Was macht Berlin so lebenswert, zumindest für die, die nicht nur hier wohnen, solange es hip ist? (Hoffentlich ist dieser Hype bald vorbei, aber unser Senat arbeitet ja fleißig an der Selbstzerstörung). Berlin ist lebenswert, weil es eben keine Stadt wie jede andere Großstadt ist. Berlin ist viele kleine Städte und Dörfer. Meist bewegt sich der Berlin nur in seiner Stadt – auch Kiez genannt. Berlin hat kein Zentrum im Sinne anderer Städte, wir haben zwei Zentren, na, sagen wir doch mal drei. Wir haben keine Wolkenkratzer – wenigstens mal eine gute Entscheidung der Baudirektion und vor allem konnte man bisher auch noch mitten in der Stadt wohnen. Was Berlin immer lebendig machte. Ja, ich weiß, für Touristen ist es oft erstaunlich, dass es auch Menschen in der Innenstadt gibt, die die ganz normal leben und arbeiten. Bei uns ist vielleicht einiges anders.

Kollhoff spricht nun hier dazu, worüber ich mich schon lange wundere. Warum die Stadtbaudirektion dieser Verschuhkartonierung kein Ende bereitet. Das Herz, das Berlin hat wird kaputtgemacht durch kalte Maschinerie. Nimmt man als Beispiel die Oranienburger Straße. Einst eine Straße mit viel Dunkelheit, rotem Licht auf dem Asphalt, urigen Kneipen, Künstlern und Kunst, ist heute durchgestyled, übersaniert und wird jetzt mit der Schließung der c/o Galerie und des Tacheles (machen wir uns nichts vor, es wird so kommen), das letzte verlieren, was noch an die alten Zeiten erinnert. Zwei Kneipen gibt es noch, die übrig blieben, alles andere…naja, lebt durch Touristen. Berliner findet man dort nicht mehr. Es ist ein Jammer.

Und ehrlich, ich ertappe mich immer wieder beim Gedanken, Berlin endgültig zu verlassen. Und das tut weh. Schließlich bin ich eine der seltenen waschechten Berliner Pflanzen.

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