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Von Demut

…spricht der Toraabschnitt heute.  Nur in Nebensätzen, aber diese Sätze sind es, die mich in diesem Jahr bewegen: „Es könnte kommen, wenn du zu essen im Überfluss hast, schöne Häuser hast und sie bewohnst, […], dass Dein Herz sich erhöhe […].“ (Ekev, Tora nch der Übersetzung von Moses Mendelsohn).

Diese Demut, die man oft genug abhanden sieht, wenn man sich heute umschaut in einer Welt, in der nur noch die materiellen Güter zu zählen scheinen, in denen die Menschen aber offensichtlich einsamer als je zuvor sind, verdrängt durch virtuelle Freundschaften oder schlicht Parallelwelten. Es ist eine traurige Welt für viele. Aber es liegt an jedem Einzelnen, das zu ändern. Natürlich wird das die Welt nicht ändern, nicht im Großen und Ganzen, aber im Kleinen.

Ich lebe in einer Welt, in der ich ncht allzuviel habe, in der ich mich aber darauf besinne, ich selbst sein zu können, zu dürfen. Ich habe den Vorteil auch in einer anderen Welt gelebt zu haben, die erstrebenswert schien. Ich habe den Zugang nicht gesucht, war aber auch nicht undankbar, da hineingeraten zu sein. Aber es war nicht meine Welt. Das Leben drehte sich am Ende nur um den gesellschaftlichen Status, das Bild nach außen, man war getrieben und alles, aber nicht glücklich. Dabei hält doch das Leben so viele kleine Dinge bereit. Die Hummeln, die gerade um mich herum schwirren, um an die Blumen zu gelangen, die Elsterkinder, die in ihren Flugübungen schon sehr geschickt wurden. Oder einfach die Freundin, die sich nach langer Zeit wieder meldet.

Vielleicht kann ich auch nur so vieles ertragen, was für andere unerträglich scheint. Ich konzentriere mich auf die wichtigen Dinge. Nehme das Leben an, wie es kommt und mache das Beste daraus. Strebe nicht irgendwelchen Zielen nach, die vielleicht für die Gesellschaft akzeptabel sind. Zu erfüllen, was konform ist, davon habe ich mich schon sehr lang verabschiedet. Als Kind versuchte ich es noch, ich wollte nicht anders sein, wollte wie alle anderen sein. Aber egal, was ich tat, ich gehörte nicht dazu. Damals glaube ich nicht, wenn mir gesagt wurde, dass mich das stärker macht. Heute erst, viele Jahre später sehe ich, dass es wohl doch so ist. Es hat mich stark gemacht. Allerdings auf einem Weg, auf den ich gut hätte verzichten können. Und so ist das eben mein Weg durch die Wüste, mein Leben. Zwischendurch kommt mal eine Oase, an der ich ruhen kann, Kräfte sammeln und dazwischen heißt es laufen. Aber auch die Wüste hat Schönheit, die zu sehen, sollte man nicht vergessen. Und letztlich wandert man nicht allein, ab und an hat man Gesellschaft, die angenehm aber auch unangenehm sein kann. Beides lässt wachsen.

Mein Weg hat kein bestimmtes Ziel mehr. Ich lebe das Leben wie es kommt und bin dankbar für alle Geschenke die ich erhalte. Und ich fühle mich wohl in meinem Leben. Auch, wenn man von außen denken könnte, ich sollte mich anders fühlen. Momentan aber ist es gut, das Leben. Anders und ganz bestimmt nicht konform. Aber ich habe ein Dach über dem Kopf, kann inzwischen meine Rechnungen wieder pünktlich bezahlen, mein Rad funktioniert und alles, was ich zum Glück brauche, liegt da draußen: Wälder, Seen, Tiere…einfach die Natur, die wir so oft nicht sehen, weil wir etwas hinterher rennen, das oft auf Papier gedruckt und so vergänglich ist.

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