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Registrierung

Vor einiger Zeit ging es rund in jüdischen Kreisen, die quasi verpflichtende Sichtbarmachung der Religion via Lohnsteuerkarte. Manche Bundesländer ziehen auch die Steuern für die jüdischen Gemeinden auf diesem Weg ein (Berlin übrigens nicht). Wir streuben uns dagegen, offiziell als Juden registriert zu werden. Man weiß schließlich nicht, wohin es einmal führen kann. In unseren Ausweisen und Pässen steht nichts von Religion, Herkunft oder ähnlichem – aus der deutschen Geschichte geboren.
Schon vor der Schoa gab es das. In der Weimarer Republik wurde die Angabe der Konfession in z.B. Personalbögen illegal. Schon Rathenau füllte bei dieser Frage ein, dass diese Frage gegen die Verfassung wäre.
Und persönlich fülle ich bei diesen Fragen einen schlichten Strich ein. Es geht niemanden etwas an.

Wieso ich auf diese Gedanken komme? Ich habe mir das Parteiprogramm der PVV (Partij voor de Frijheid) durchgelesen. Und mir ist schlecht geworden. Ein paar Dinge wusste ich schon, habe ich mich offensichtlich im Vorfeld schon mehr damit beschäftigt, als es offenbar der Berliner Abgeordnete Stadtkewitz getan an, der diese Unperson Geert Wilders eingeladen hat – offiziell.

Nehmen wir ein paar Punkte aus dem Programm:

Polizei:
Etnische registratie van iedereen. – Ethnische Registierung eines jeden.

Damit auch die Registrierung von Juden. Einer der Hauptgründe im übrigen, weshalb die niederländischen Juden in größter Zahl deportiert wurden. Sie waren alle registriert. So werden Türen und Tore geöffnet ggf. die unliebsamen Beamten aus dem Dienst zu entfernen. Klingt nach einer Vorstufe hierfür:

㤠3.
Beamte, die nicht arischer Abstammung sind, sind in den Ruhestand zu versetzen […]
§ 4.
Beamte, die nach ihrer bisherigen politischen Betätigung nicht die Gewähr dafür bieten, daß sie jederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat eintreten, können aus dem Dienst entlassen werden.“

[Aus dem Gesetz »zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums« (7. April 1933) ]

Warum sonst sollten die Beamten registriert werden? In den Niederlanden gab es das übrigens schon im Jahr 1940 – und alle machten mit.

• Niet-Nederlanders die een misdrijf plegen direct uit Nederland verwijderen
Nicht-Niederländer die eine Straftat begehen sofort aus den Niederlanden ausweisen.

• Nederlandse nationaliteit van criminelen met een dubbele nationaliteit intrekken
Die Niederländische Nationalität von Kriminellen bei doppelter Staatsbürgerschaft einziehen.

Diese Töne hört man auch in unseren Landen…

Einwanderung:

• Verbied de boerka en de koran, belast hoofddoekjes
Verbot von Burka und Koran, Besteuerung von Kopftüchern.  Wann sind die Kippot dran?

• Terugdraaien openstelling arbeidsmarkt voor Polen en niet openstellen voor Roemenen
en Bulgaren
Zurücknahme der Freigabe des Arbeitsmarktes für Polen und Nichtöffnung für Rumänen und Bulgaren. Nun, Wilders will die Niederlanden so oder so aus der EU nehmen, da überrascht das hier nicht.

En vooral: volledige immigratiestop voor mensen uit islamitische landen
Und vor allem: vollständiger Immigrationsstop für Menschen aus Islamischen Ländern.  – Sprich, selbst Menschen, die dort verfolgt werden, dürfen nicht mehr einreisen. Es gibt einen Generalverdacht für Menschen, die in islamischen Ländern geboren wurden. Da fragt man sich, was denn mit Israelis ist, die vor der Staatsgründung Israels geboren wurden. Bei ihnen steht nämlich Palestina als Geburtsland drin.

Innenpolitik:

• Geen stemrecht meer voor niet-Nederlanders bij gemeenteraadsverkiezingen.
Kein Stimmrecht für Nichtniederländer bei Gemeinderatswahlen.

• Geen mensen met een dubbele nationaliteit in regering, parlement, Provinciale Staten,
gemeenteraden en bepaalde overheidsfuncties.
Keine Menschen mit doppelter Nationalität in Regierung, Parlament, Provinzen, Gemeinderäten und bestimmten Behörden.

Sozialstaat:

• Kinderbijslag en kindgebonden budget maximaal voor 2 kinderen
Kinderzuschlag und kindergebundenes Budget für maximal zwei Kinder.

En vooral: de AOW blijft op 65 jaar, geen dag later.
Und vor allem: Rente ab 65, keinen Tag später – Übrigens einer der Hauptgründe für den Stimmenzuwachs bei der letzten Wahl. Dumm nur, dass Wilders das schon am Tag nach der Wahl wieder zurückgenommen hat. Ist irgendwie doch nicht machbar, na sowas.

Bildung:

• Vakinhoud centraal op de pedagogische academies, niet didactiek
Inhalte zentral an pädagogischen Akademien, nicht Didaktik. – Man muss ja auch nicht lernen, wie zu lehren…

• Buitenlandse studenten hun eigen studiekosten laten betalen
Ausländische Studenten sollen selbst ihre Studienkosten bezahlen. – Der beste Weg ungeliebte Ausländer von den Universitäten fernzuhalten.

Niederländische Kultur:

• Op elke school en elk overheidsgebouw moet onze vlag wapperen
Über jeder Schule und Regierungsgebäude soll unsere Flagge wehen.

• We houden de subsidies voor musea, bibliotheken en ons erfgoed in ere, maar
kunstsubsidies schaffen we af.
Wir halten die Förderung für Museen, Bibliotheken und unseren Erbgutes in Ehre, aber die Kunstförderung schaffen wir ab.

Kunst kann gefährlich sein, denn sie kann sprechen, kann aufmerksam machen auf Missstände, kann kritisieren…warum also soll sie gefördert werden? So wird nur noch Kunst entstehen, die gefällig ist…

Außenpolitik:

• Strijd tegen islam moet het kernpunt van ons buitenlands beleid worden
Der Kampf gegen den Islam muss ein Kernpunkt unserer Außenpolitik werden. – Er ist auf jeden Fall Kerzpunkt in Wilders Programm.

• Sinds 1946 bestaat er een onafhankelijke Palestijnse staat, daarom noemt de Nederlandse regering ‘Jordanië’ voortaan gewoon ‘Palestina’
Seit 1946 besteht ein unabhängigeer palästinensischer Staat, darum nennt die niederländische Regierung Jordanien fortan einfach Palästina. 

Ich bin mir sicher, dass man beim oberflächlichen Lesen des gesamten Programms das eine oder andere entdeckt, das einem gefällt, das man unterstützt. Nicht umsonst hat dieser Mensch solch einen Wahlerfolg erreicht. Für mich aber, und glücklicherweise noch mehr Niederländern klingt das alles zu sehr nach einem gewissen Österreicher. Wir tauschen Moslems mit Juden aus und schon haben wir es. Mir macht es Angst. Und darüber kann auch nicht hinwegtäuschen, dass er die „jüdisch-christliche Kultur“ betont und Jerusalem als Israels Hauptstadt betont. Der Ton in niederländischen jüdischen Kreisen gegenüber den niederländischen Moslems wird schärfer. Es werden Geschichten erfunden, die in den Medien Wellen schlagen. So erst neulich die Geschichte eines Mannes, der von „marokkanischen“ Kindern belästigt würde, dessen Haus mit faulen Eiern beworfen würde und gegen die die Polizei nichts unternommen hätte. Die Kritik schlug hoch! Die Zeitungen schrieben Schlagzeilen über die Untätigkeit dere Behörden gegen den Antisemitismus. Was aber dann nicht in der Zeitung stand (es verkauft sich ja so schlecht), dass die Kinder von eben jenem Mann dann doch geschnappt wurden. Er rief die Polizei, dass er sie jetzt hätte und als die Beamten eintrafen stellte sich heraus, er hatte sie laufen gelassen. Es waren nämlich jüdische Kinder und man würde das innerhalb der Gemeinde regeln. Dass der Mann ein allseits bekannter Kinderhasser ist, wurde auch nicht geschrieben.

Soviel zum Thema Schlagseite in den Medien, in den Köpfen der Menschen Objektivität passt nicht in diesen Tagen und verkauft sich wie gesagt schlecht. Man konzentriert sich auf Kriminelle, auf jene, die gegen die Gesellschaft agieren und stülpt dieses Bild über alle, die zufällig die selbst Herkunft, die selbe Religion haben. Nein, ich mache da nicht mit. Es ist schwer nicht schwarz weiß zu denken, die grauen Schattierungen sind schwer zu sehen. Ich hoffe nur eines, dass die Niederlande nicht die selben Fehler machen, die einst auf deutschem Boden gemacht wurden, nur, dass dieses Mal nicht die Juden das Ziel der Täter sind. Dass das für seine Offenheit und Liberalität bekannte Land, dieses schon lange nicht mehr ist, ist allerdings auch zu wenig bekannt. Doch, was gerade dort passiert – ich habe Angst.

Wer selbst nachlesen will, kann sich hier das Programm der PVV ansehen. Seltsam, wie schnell mich eine Schlagzeile auf etwas anderes bringen kann, etwas, das schon eine Weile in mir brodelt.

18 Comments

  1. Die Registrierung der Religion, oft auch im Pass, ist in muslimischen Ländern ganz üblich. Selbst Länder, die einen Übertritt von Muslimen zu anderen Religionen nicht unter Strafe stellen, weigern sich eine Änderung vorzunehmen. Wenn hier eines Tages die Muslime den Ton angeben, kommt die Registrierung der Religion bestimmt.

    Im islamischen Recht haben nur Muslime alle Rechte, Juden und Christen sind Bürger minderen Rechts, Atheisten sind völlig rechtlos.

    Natürlich ist vieles in Wilders Wahlprogramm nicht schön, Sie haben aber, glaube ich, immer noch nicht verstanden, worum es geht, nämlich um die Islamisierung Europas, die eingesessenen Bevölkerungen werden zu Minderheiten im eigenen Land. Wie das ist, sollte man sich als Jude vorstellen können.

    Einen Eindruck davon, was das beispielsweise für Deutsche in Deutschland schon heute bedeutet, bekommen Sie durch diesen Film:

    Sie haben das ja immer noch die Möglichkeit nach Israel auszuwandern, wenn es bis dahin noch nicht von Ahmadinejad oder einem anderen Muslim atomar von der Landkarte getilgt wurde.

    Wenn Sie Mut zur Wahrheit haben, sehen Sie sich den Film ganz an!

  2. Den "Mut zur Wahrheit" muss ich nicht haben, ich kenne den Film (und habe selbst in einer solchen Schule gearbeitet).

    Nur, weil in islamischen Ländern die Religion registriert wird, muss man es nicht im Gegenzug genau so machen. Wilders fängt mit den Moslems an und wird ganz schnell bei anderen landen. Es erinnert mich wie schon im Artikel erwähnt an die Anfänge eines anderen Mannes, von dem man zu glauben hoffte, seine Ideen würden nicht wiederholt.
    Im Übrigen wird auch schon diskutiert, wie viel denn die Behinderten den Staat kosten würden – kommt mir doch schon sehr bekannt vor. Hadamar und Grafeneck lassen grüßen.

    Und ich habe die Möglichkeit nach Israel zu gehen? Nun, wenn ich das aber nicht will? Wenn ich Israel eben nicht als meine "Heimat" ansehe, auch, wenn ich Jüdin bin? Es ist nicht mein Land, mein Land ist hier, ist Deutschland. Es geht mir vielleicht nicht anders als meienn Ahnen, die anscheinend keine Zionisten waren. Ja, es ist richtig, irgendwie ist da noch dieses Land als Notlösung, ich bin aber kein Mensch, der vor den Problemen flieht. Probleme sind zu lösen, nicht zu übertünchen.

    Ich habe im Gegensatz zu Herrn Stadtkewitz keine Probleme mit der Moschee in Pankow gehabt und seit deren Einweihung auch nie irgendwelche Probleme von dort gehört.

    Ich wehre weiterhin mich dagegen, alle Moslems, Ausländer, Arbeitslose oder auch Kriminelle Ländern über einen Kamm zu scheren, weil es so einfach ist, alle in einen Topf zu werfen. Und ich wehre mich auch dagegen gezwungen zu werden, bestimmte Haltungen einzunehmen, weil ich einer Religion angehöre. Ich bin ich.

    Schaut man Wilders Programm genau an, findet man ein Programm, das garantiert für jeden etwas bietet. Wie er das aber umsetzen will, ohne die Niederlande in die völlige Isolation zu führen ist mir schleierhaft. Er spielt mit der Angst der Menschen, so wie es schon andere vor ihm taten – und wie es immer wieder wirkt. Aber die Angst hat eine Ursache, meist ganz woanders.

    Im Übrigen wird die Religion auch in Russland registriert und ist Grund, dies als Diskriminierung anzusehen. Russische Juden dürfen aus diesem Grund übrigens nach Deutschland einwandern.

    Als westliche Demokratie hat man zu seinen Grundwerten zu stehen und diese zu leben. Dass unser Bildungssystem die neuen Anforderungen verschlafen hat, das Potential nicht zu nutzen weiß, ist ein anderes Thema und wird ohne eine Reform der Lehrerausbildung nicht behoben werden – und vor allem Lehrer, die wirklich Lehrer sind und sein wollen.

    Wie ich schon mehrfach sagte, es gibt kein schwarz-weiß, es gibt immer ein dazwischen. Und alles, was mit totalitär erscheint, ist mir suspekt und erscheint mir gefährlich. Sei es nun in den Niederlanden, den USA (die ich deshalb verließ), Israel, Russland oder Saudi Arabien (in das ich im Übrigen im Gegensatz zu Ihnen vermutlich nicht einreisen darf).

    Ich muss mich dem nicht fügen, ich kann dagegen etwas sagen. Denn nur, wenn man nichts sagt, hat man auch nichts versucht.

  3. Sie sind, wie viele Linke, durch bestimmte ideologisierte Begriffe in ganz typische Denkfallen getappt.

    "Nazi" ist eine Kategorie, die heute inflationär gebraucht wird und keiner darf es wagen, daran zu zweifeln, dass jeder der in die Kategorie "Nazi" gesteckt wird, unbarmherzig bekämpft werden muss. Sie haben ja den Banner solcher ideologisierter „Nazi-Jäger“ auf Ihrer Seite

    Da wird nicht differenziert, das fordert keiner eine "Dialog", womöglich noch "auf Augenhöhe" mit den gemäßigten "Nazis", da warnt keiner vor einem "Generalverdacht" gegen "Nazis", jeder findet die Ausgrenzung von "Nazis" gut und wichtig, keiner sagt 99% aller "Nazi" sind doch gesetzestreue, friedliche Bürger, oder Faschismus "ist das, was man daraus macht" oder "DEN Faschismus gibt es nicht" und so weiter und so fort.

    Man meint, weil man dem Islam gewöhnlich das Etikett "Religion" aufklebt, müsse er irgendwie harmlos sein, was man bei bestimmten politischen Weltanschauungen, wie etwa bei "Faschismus" oder „Nazis“ niemals denkt.

    Orthodoxer Islam – und der ist überall, wo es Muslime in größerer Zahl gibt, der dominante – war von Anfang an auch und vor allem eine politische Weltanschauung mit dem Ziel der Welteroberung und Unterjochung.

    Schon Mohammed war Staatsmann, Gesetzgeber, Kriegsherr und Eroberer, Sklavenjäger und Sklavenhalter.

    Nur weil man den Islam in die Schublade "Religion" steckt, den "Faschismus", das "Nazitum" aber in die Schublade "politische Ideologie", meint man beim ersteren unendlich differenzieren zu müssen, bis man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, bei letzterem aber mit aller Gewalt und Härte undifferenziert draufschlagen zu müssen, schon der kleinste Verdacht genügt.

    Bei ersteren findet man immer und für alles Entschuldigungen (Kolonialismus, Globalisierung, die ökonomischen Verhältnisse im allgemeinen, „Rassismus“, „Islamophobie“, die Politik der USA und Israels usw.), bei allem, was man in die zweite Kategorie steckt, darf man wild spekulieren, was die Krypto-Faschisten so alles vorhaben, auch wenn es bei kühler Überlegung alles dagegen spricht.

    Das ganze Denken von Leuten Ihrer Weltanschauung ist durchdrungen von ideologischen Schablonen, die nicht hinterfragt werden dürfen.

    Die beliebteste ist links = gut, rechts = böse, Islam = Religion = harmlos, „Faschismus“ oder „Nazitum“ = Ideologie und politische Bewegung = das Schlimmste überhaupt und so weiter und so fort.

    Nichts macht so blind wie ideologisches Denken.

    Dass eine solche ideologische Sichtweise, verpackt in bestimmte Begriffe, mittlerweile alle öffentlichen Diskurse bestimmt, macht sie nicht weniger beschränkt.

    Legen sie ihre Denkschablonen ab, hinterfragen sie Ihre Begriffe und schauen Sie sich die Welt mit offenen Augen an, vielleicht besteht ja noch Hoffnung!

    Dass Sie im Osten aufgewachsen sind, vermutlich bei Eltern, die sich zutiefst als Sozialisten gefühlt haben und deswegen als 150%ige in der DDR gelebt haben, erklärt vieles, aber Sozialisation muss kein Schicksal sein, versuchen Sie doch sich geistige Freiheit zu erarbeiten!

    Übrigens hege ich nicht die allergeringste Sympathie für den Nationalsozialismus oder verwandte Weltanschauungen, ich wäre, würden solche Bewegungen wieder ans Ruder kommen, eines der ersten Opfer. Ich habe hier nur „Nazi“ verwendet um mit diesem Beispiel eventuell Ihre Augen zu öffnen.

  4. Ich sage nur soviel, Ihre Analyse meiner Person zeigt, dass Sie nur diesen einen Artikel gelesen haben. Mich als "links" und als "150%ge in der DDR" zu bezeichnen beweist, dass sie nichts anderes gelesen haben. Dass Sie sich ein Bild von einem Menschen machen, in dem Sie einen einzigen Gedanken lesen. Schwach, kann ich nur sagen.

    Ich habe keine Schublade für Sie, Sie haben sich hier geäußert, ich habe meine Gedanken dagegen gelegt und Sie packen mich in eine Schublade, die mich am Morgen herzlich lachen ließ.

  5. Marti Marti

    Falsch verstanden, ich habe nur gemutmaßt, dass eventuell Ihre Eltern "150%ge in der DDR" waren, nicht Sie!

    Wenn Sie sich nicht "links" einordnen, umso besser! Ihre Argumentation bezüglich Wilders entspricht aber 100% dem, was so unter "Linken" gang und gäbe ist.

    Einen so hysterischen Satz wie "Wilders fängt mit den Moslems an und wird ganz schnell bei anderen landen" habe ich bisher nur aus der linken Ecke gehört.

    Er beruht nämlich auf der Vorstellung, das Wilders "rechts" sei und "rechts" ist natürlich gleich "Nazi" und dann folgt daraus, dass er "ganz schnell bei anderen landen" wird.

    Lehnt man das "rechts"/"links"-Schema ab, was ich für sehr sinnvoll halte, wenn man frei denken will, ist so ein Satz einfach nur schwachsinnig.

    Im übrigens geht es nicht darum Sie in irgendeine Schublade zu stecken, ich kenne Sie nicht und es geht mir primär auch nicht um Ihre Person, sondern um ihre Argumentationsweise.

    Leider ist es aber oft so, dass Menschen nicht rational, sondern nach Identität argumentieren, was ich nicht besser finde, als Argumentation entlang von ideologischen Linien.

  6. Auch mit meinen Eltern liegen Sie falsch. Aber das habe ich schon eingehend in vorherigen Beiträgen diskututiert.

    Gut, argumentieren wir mal anders. Was ändert sich die wirtschaftliche Situation in den Niederlanden, wenn Kopftücher besteuert werden? Und wie verbessert sich das Bildungssystem, wenn Flaggen auf den Schulen wehen? Wilders schreibt davon, dass die besten Jahre für die Niederlanden noch vor ihnen liegen können, aber er sagt nicht wie. Beim Renteneintrittsalter hat er es schon zurückgenommen, da es wirtschaftlich nicht machbar ist. Das Problem nur, es haben zu viele daran geglaubt. Der Mensch ist ein träges Tier, er denkt nicht viel nach. Beim Betrachten des Programmes fällt mir nichts konkretes auf, was etwas ändern sollte. Lediglich Polemik. Zahl der Polizisten hochsetzen, 80% der Arbeitszeit auf der Straße…gut, aber WIE? Das kostet Geld, Steuern sollen nicht erhöht werden, man soll nicht so lange arbeiten.
    Sicher, es gibt keine Allgemeinlösung. Aber Lösungsansätze wären schon mal etwas. Problematisch nur, dass Terroristen sich auch nicht mehr in einfache Kategorien packen lassen. Sie sind oft Bürger ihres Landes, gut situiert zumeist – was sie dazu treibt, andere zu töten und vor allem den Tod zu glorifizieren, kann ich nicht nachvollziehen und verurteile es zutiefst. Genauso verurteile ich die Raketenangriffe auf Israel, die von der Linken hierzulande z.B. als Notwehr gesehen werden.

    Dennoch finde ich es wesentlich wichtiger sich auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens zu konzentrieren. Die Augen zu öffnen und nicht nur in der eigenen kleinen Welt zu verharren, Scheuklappen zu tragen. Was man mir, sollte man nur diesen einen Beitrag gelesen haben, ruhig vorwerfen kann. Ich habe aber wesentlich mehr Facetten und bin wie gesagt nicht in eine Schublade zu packen. Selbst Freunde von mir sind manchmal überrascht, wenn ich plötzlich eine andere Position einnehme, als sie von mir erwartet hätten. Alles sollte von mehreren Seiten betrachtet werden. Und machmal bin ich selbst erstaunt, wie der Blickwinkel Dinge ändern kann.

    Das von Ihnen im Übrigen benannte ideologische Portal habe ich mit auf die Seite genommen, da ich es interessant fand, dass dort Menschen fragen können, ob etwas tatsächlich nazistisch oder antizigan oder rassistisch ist. Denn gerade das ist oft nicht einfach auszumachen. Meine kritische Haltung zur vorschnellen Verurteilung von Äußerungen, oftmals unbedacht, habe ich auch in anderen Beiträgen schon besprochen.

    Einigen wir uns doch schlicht darauf, wir haben im puncto Wilders andere Ansichten. Es wäre ja auch langweilig, wenn jeder einer Meinung wäre..

  7. Marti Marti

    Ich sehr durchaus eine Gefahr von "rechts", aber keineswegs so, wie viele die den "Kampf gegen Rechts" betreiben.

    Für die ist nämlich alles "rechts" was in Gegnerschaft zu ihren politischen Zielen steht. Wenn sie glauben bestimmte politische Bewegungen für sich instrumentalisieren zu können, ist das keineswegs "rechts".

    Man kann das sehr gut selbst prüfen: man mache sich eine Liste mit Punkten, die all das enthält, was man für typische "rechts" hält, beispielsweise Antisemitismus, Homophobie, Frauenfeindlichkeit, Ablehnen von Demokratie, Kriegstreiberei, Weltherrschaftsansprüche, Menschen in verschiedene Gruppen einteilen, die verschiedene Rechte haben bis hin zu genozidalen Plänen gegenüber Gruppen, die man für feindlich hält.

    Dann prüfe man das ganz objektiv an den besagten Gruppen.

    Tun Sie das mal für Wilders und für den orthodoxen Islam und schauen Sie, was als Ergebnis herauskommt.

  8. Och, ich würde auch vorschlagen, das bei der Linken zu prüfen, einfallen könnten mir noch diverse andere Parteien…
    Und ich widerspreche nicht in puncto orthodoxem Islam, wie Sie es nennen. Aber Wilders geht es eben nicht um Differenzierung, sondern um eine Allgemeinverurteilung aller Moslems und aller Menschen aus islamischen Ländern (die ja nicht zwangsläufig Moslems sein müssen). In etwa so: alle Niederländer = gut – alle Moslems = schlecht. Dass das genau so großer Unsinn ist, wie zu sagen alle Katholiken sind Kinderschänder (Überspitzung!) liegt auf der Hand. Es ist eben leider nicht so einfach.

    DAGEGEN wehre ich mich. Ich könnte jetzt auch sagen, da Sie Deutscher sind, essen Sie grundsätzlich nur Sauerkraut und Wurst, trinken nur Bier, hören ausschließlich Volksmusik, tragen nur Trachten, sind immer schlecht gelaunt und unfreundlich und weil es natürlich in der Natur der Deutschen liegt, werden hassen Sie Juden per se. Dass das Quatsch ist, werde Sie sicher nicht bestreiten.

    In allen Gruppen, Religionen oder was auch immer gibt es Menschen, die gut sind, denen es nicht um Konfliktschürung sondern Frieden gibt und genau so gibt es in allen Gruppen auch jene, die nur auf Konflikt aus sind – in welcher Form auch immer.

    Dagegen vorzugehen ist die Aufgabe aller Menschen, denen ein friedliches Leben auf diesem Planeten vorschwebt. Mag jetzt naiv klingen, aber ich glaube daran.

    Und ich weiß, wie schnell man in eine Ecke gestellt wird und dann eine Verteidigungsposition einnimmt für etwas, das man eigentlich nicht unterstützt. Meine Biographie gibt da allerhand her. Und vielleicht ist das auch der Grund, warum ich weiß, dass nicht schwarz oder weiß der Weg sind…Es funktioniert einfach nicht. Das Leben ist nicht einfach – so schön es auch wäre.

  9. Marti Marti

    "Aber Wilders geht es eben nicht um Differenzierung, sondern um eine Allgemeinverurteilung aller Moslems und aller Menschen aus islamischen Ländern (die ja nicht zwangsläufig Moslems sein müssen). In etwa so: alle Niederländer = gut – alle Moslems = schlecht."

    Genau das tut Wilders nicht! Er betont immer wieder, dass es ihm um den Islam als totalitäre Weltanschauung geht, nicht um die Muslime als Individuen.

    Lesen Sie einfach mal seine eigenen Worte, hier ein paar Zitate aus seiner jüngsten Rede:

    "Ich kann mich sehr gut an meinen ersten Eindruck von Ägypten erinnern: ich war überwältigt von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft seiner Bevölkerung."

    "Manche Leute sagen, ich würde Muslime hassen. Ich hasse Muslime nicht. Vielmehr macht es mich traurig, wie sehr der Islam ihnen die Würde geraubt hat. Was der Islam den Muslimen antut, wird deutlich, wenn man sieht…"

    "Der Islam nimmt den Muslimen die Freiheit. Das ist eine Schande, denn freie Menschen sind zu großartigen Taten fähig, wie die Geschichte uns gezeigt hat. Die arabischen, türkischen, iranischen, indischen und indonesischen Völker haben ein enormes Potential."

    "Da aber die Befreiung der Muslime vom Islam uns allen nützt, unterstütze ich jeden Moslem, der die Freiheit liebt, von ganzem Herzen."

    Beurteilen Sie Menschen, nach dem, was sie selbst sagen und nicht nach dem, was Übelmeinende über sie berichten!

  10. Ich beurteile ihn lediglich nach seinem Partei- und Wahlprogramm und da differenziert er nicht.

  11. Ich habe etwas ähnliches auf meiner Seite geschrieben, wobei es nicht um Wilder ging, und mir auch woanders verbeten, alle Muslime einer Verschwörung zu unterstellen. Von diesen sog. Israelfreunden muss man sich dann Worte anhören, wie: Eines Tages wirst du dich an meine Worte erinnern (nette Drohung) oder weil ich mich entschieden gegen diese Sprache: "Aber die junge Frauen suchen das Exotische, weil abenteuerlich ist. Die Orientaler wissen, wie man sie ködert und dann ist zu spät." zur Wehr gesetzt habe, es lohne sich nicht mit mir zu diskutieren, denn ich würde die Tragweite aus meinem falsch verstandenen Idealismus nicht erkennen und weiter so einen Blödsinn.
    Die Menschen kennen einen nicht, aber mit Schubladen sind sie sehr schnell. ich z.B. mag keinen Idealismus, aber wenn die Schublade so schön passt, ist das Schwarz-Weiß-Denken eben die einfachste Antwort. So entsteht dann auch das typische Denken: Böse und gute Juden. Nun, Antisemtismus und Philosemitismus sind ja nie weit voneinander entfernt.
    Nein, solche Freunde brauchen weder wir Juden noch Israel.

  12. Marti Marti

    Wer Wilders verstehen will, muss sich meines Erachtens mit seinen geistigen Wurzeln beschäftigen. Das politische Vorbild von Wilders war Pim Fortuyn, der ja sehr spektakulär ermordet wurde.

    In den Niederlanden haben viele Juden und viele Homosexuelle Wilders gewählt, weil sie sehen, dass für sie von den Muslimen eine ganz konkrete Gefahr für Leib und Leben ausgeht.

    Um Wilders einschätzen zu können, sollte man sich intensiv mit dem befassen, was er sagt.

    Zwar ist vieles nur auf Niederländisch verfügbar, aber er hat die wichtigsten Dinge auch auf Englich gesagt.

    Auf YouTube beispielsweise gibt es einiges.

    Sehr interessant ist auch das Buch "Tegen de islamiseering van onze cultuur" in dem Fortuyn das Fundamente der politischen Bewegung gelegt hat, die Wilder jetzt weiterführt.

    Was die deutsche Presse zum Thema Wilders sagt, ist fast ausschließlich eine Verhetzung nach dem Muster Wilder ist "rechts" und "rechts" ist gleich "Nazi".

    Hilfreich ist bestimmt auch die Diskussion unter den Juden der Niederlande zum Thema Wilders. Die prominenteste Stimme geht dabei von Leon de Winter aus.

    Wer wissen will, wie weit wir in Deutschland – speziell in Berlin – schon sind, sollte das Buch "Das Ende der Geduld: Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter" von der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig lesen, das morgen erscheinen wird.

  13. Marti Marti

    Um es nocheinmal ganz klar zu sagen: Die Unterstellung Wilders habe ein Schwarz-Weiß-Denken, ist nicht zutreffend. Sie entsteht durch Sekundärquellen.

    Wer liest, was Wilders wirklich sagt, sieht, dass er sehr wohl differenziert.

  14. Um es auch noch einmal ganz deutlich zu sagen:

    1. Sie wollen mich von Ihrer Meinung überzeugen, ich akzeptiere die Ihre, die aber nicht die meine werden wird.

    2. Ich habe mich NICHT durch Sekundärquellen informiert, sondern direkt. Ich brauche keine Übersetzungen, da ich Niederländisch beherrsche. Wenn man nämlich wirklich etwas verstehen will, sollte man sich möglichst nicht auf Übersetzungen verlassen.

    3. Ich habe auch ausreichend Kontakte in die Niederlanden. Die sehen aber allerdings die Grundsätze ihres Landes durch ihn gefährdet. Das heißt nicht, dass sie blind für die Probleme sind. Aber sie wollen Lösungen suchen und keine Polemik, mit der man bestens auf Stimmenfang gehen kann.

    4. Frau Heisig ist ein ganz anderen Thema und ich verstehe nicht, warum Sie sie hier anführen, unterstellend, ich würde es ablehnen. Im Gegenteil. Ich war und bin eine Unterstützerin ihrer Ideen, denn sie Probleme beim Schopf gepackt und war erfolgreich damit. Aber das hat nun wirklich gar nichts mit meinem Ursprungsartikel zu tun.

    5. Sie vermischen mir hier zu viele Dinge und behalten keine Linie ein. Ich sprach konkret über einen Mann und meine Ängste ihn betreffend. Von Beginn an haben Sie mich in Schubladen gepackt in die ich aber nicht passe.

    Vielleicht geben Sie es einfach auf. Wie ich schon einmal sagte, wir sind unterschiedlicher Meinung und so wird es wohl bleiben. Sie kennen mich nicht und unterstellen mir Ansichten, die ich nicht teile. Ich habe mehrfach gesagt, dass ich nicht in Schubladen und ganz offensichtlich nicht in Ihre Muster passe. Basta. Ich möchte daher hiermit die Diskussion beenden.

  15. Marti Marti

    Ihre Ängste sind Ihre Sache, die kann Ihnen niemand absprechen, was ich aber völlig daneben finde, ist der Versuch Wilders in die Nazi-Schublade zu stecken, wie Sie das in ihrem Artikel tun.

    Das ist einfach übelste Demagogie! Und das tun Sie ganz bewusst, während Sie Wilders warnen?

    Wie scheinheilig, kann ich da nur sagen!

  16. Sie widersprechen sich. Ich habe ihn nicht in die Nazischublade gesteckt, ich habe lediglich geschrieben, dass mich Dinge, die er fordert an Dinge der Nazis erinnern und habe das auch belegt. Das selbe habe auch schon bei anderen getan. Denn "harmlos" fing alles an. Sie haben Ihre Meinung fest gemacht. Fühlen sich geradezu selbst getroffen. Was ich aber im Gegenzug zu Ihnen nicht tue, und das betone ich wiederum ist, SIE in eine Schublade zu stecken, da ich Sie nicht kenne.
    Dies ist ein privater Blog, mit meiner privaten Meinung, ich schreibe über MEINE Ängste und MEINE Eindrücke. Ich schreibe für niemanden, keine Zeitungen und keine Meinungsbilder. Ich bin immer bereit meine Meinung zu Menschen zu ändern, so neulich z.B. zu Stefan Kramer. Wenn denn Wilders die wirtschaftliche Situation in den Niederlanden tatsächlich mit Flaggen über Schulen und Kopftuchsteuer beheben kann, so bitte, soll er. Dann sage ich nichts mehr.

  17. Anonym Anonym

    Ich möchte mich der Blogbetreiberin aus Miami gerne anschließen, die am Samstag, 24. Juli 2010 'Registrierung' titelte und vor der "quasi verpflichtende Sichtbarmachung der Religion via Lohnsteuerkarte" warnte, mit einem angemessenen Seitenhieb auf Wilders (Wilders hat aus meiner Sicht viele gute Ideen).

    Registrierung der ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit ist falsch und bleibt gefährlich, einerlei ob zu Steuerbehörde / Finanzamt oder Stadtverwaltung / Einwohnermeldeamt.

    Dabei gibt es zur ethnischen registrierung (Wilders) ein weiteres Problem. Gerade das Judentum betreffend falle Religion und Ethnie zusammen, wie es aus Sicht von verschiedenen Interessengruppen gern heißt (von orthodox bis antisemitisch reicht die Skala). Das kann man ja sehen wie man will, es sollte aber ohne Folgen bleiben.

    Den Islam betreffend mit der real hohen Zahl an Konversionen (hin zum Islam) wird klar, dass Islam keine 'Rasse' ist (so weit zum Vorwurf der Islamisten an Islamkritker, rassistisch zu sein).

    Wir müssen aber auch an die Ex-Muslime denken – und hier gibt es ein Problem, an das Wilders wohl nicht gedacht hat. Die oft mehr oder weniger unfreiwillig 'muslimisierten' Kinder und Enkel der Einwanderer aus Marokko oder der Türkei werden noch schlechter zu Scharia und Fiqh auf Distanz gehen können, wenn sie erst einmal 'gelistet' sind.

    Jugendliche werden sich dem Islamischen Religionsunterricht nicht entziehen können, sind sie bzw. ihre Eltern erst einmal 'registriert'. Auf Männer wird Tugendterror ausgeübt werden, dem Freitagsgebet beizuwohnen.

    Und dass eine Zakat / Sozialabgabe eben nicht nur Kirchensteuer ist, sondern auch den Aufbau kalifatsähnlicher, gegenmoderner Strukturen finanziert, nacht die Sache noch gefährlicher.

    Mein Appell: Keine Registrierung – Religion oder 'Ethnie' sind kein staatbürgerliches Merkmal. Und darum geht es, um eine Staatsbürgerliche Identität (die eine säkulare sein muss, keine stammeskulturelle oder auf Seelenrettung begründete)

    Mit freundlichen Grüßen
    – One Law For All –
    Karsten Hilchenbach

  18. Huch, bin ja gerade nicht in Miami, hab's mal geändert 😉

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