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Irrtümer

Da arbeitet man friedlich vor sich hin und schon tauchen Irrtümer auf, die man auch Vorurteile nennen kann. Das Jüdische Museum Berlin ist keine „jüdische“ Einrichtung im Sinne, dass die Gemeinde Berlins oder Deutschlands dort Geld hineinsteckt, oder aber etwas zu sagen hätte. Es ist eine Bundeststiftung, ganz ähnlich übrigens auch die Stiftung Gedenktstätte Deutscher Widerstand. Auch hier fließen keine „jüdischen“ Gelder, nur weil sich Ableger mit Widerstand gegen die Judenverfolgung beschäftigen. Hier handelt es sich um eine staatliche Stiftung, von Bund und Stadt finanziert, ganz so, wie auch die Topographie des Terrors im übrigen.

Achja, auch das Denkmal für die Ermordeten Juden Europas wurde nicht aus jüdischer Initiative heraus gestartet. Auch hier handelt es sich um Menschen, nichtjüdischer Herkunft, die sich berufen fühlten, ein weiteres Denkmal in die Stadt zu setzen. Der Ort ist ebenfalls staatlich finanziert.

Ich kann verstehen, dass man auf den ersten Blick auf die Idee kommt, was mit Juden zu tun habe, sei jüdisch finanziert. Allerdings ist die Gemeinde in Deutschland bei weitem nicht reich genug, sich extra Spirenzien leisten zu können. Im Gegenteil, die meisten Gemeinden krebsen eher am Rande der Insolvenz vor sich hin. Ein Mäzenatentum für Museen wie z.B. in den USA haben wir hier noch lang nicht.
Allen Stiftungen hier aber ist eines gleich, man kann stiften, auch privat, sei es nun Sachgüter (wie z.B. interessante Objekte) oder aber auch Geld, weil man die Arbeit der Einrichtungen für wichtig erachtet. Diese Spenden können auch zweckgebunden sein. Also, sagen wir mal, ich erbe so viel, dass ich auch etwas abgeben möchte, dann kann ich sagen, dass ich möchte, dass man in einer bestimmten ein Bildungsprogramm extra für bestimmte Zielgruppen ausarbeitet. Denn unterschiedliche Gruppen, haben unterschiedliche Bedürfnisse. Eine Tatsache, die in manchen Museen noch nicht angekommen ist. Ich kann dann allerdings keinen Einfluss auf den Inhalt nehmen. Im Jüdischen Museum wurde z.B. der neu gebaute Glashof hauptsächlich aus Spenden finanziert. Ein Projekt, was sonst nie möglich gewesen wäre. Natürlich Prestige spiel hier eher eine Rolle als bei einem eher unbeachteten kleinen Ort…so, wie es immer ist.

Die Frage taucht immer mal wieder in meiner Arbeit auf. Jetzt allerdings schon eine Weile nicht mehr. Aus amerikanischer Sicht ist dieses staatliche Engagement erstaunlich. Der Staat hält sich aus Museen weitestgehend heraus. Allerdings kam die Frage heute von einer deutschen Gruppe…nun, gestaunt und gelernt – und einen schönen Tag gehabt.

2 Comments

  1. Letztens kam eine Reportage über Paul Spiegel, der sich darüber beschwerte, man könne noch so oft betonen, das Denkmal für die ermordeten Juden hätte nichts mit der jüdischen Gemeinschaft zu tun, und trotzdem würde es immer wieder so heißen. Er klang damals schon sehr resigniert und seine Worte sind 10 Jahre alt.

  2. Da hast Du wohl recht. Es könnte wohl auch daran liegen, dass die Initiatoren (die Initiatorin) nicht betonen will, dass sie keinen jüdischen Hintergrund hat/ haben. Es scheint sich aber wenigstens inzwischen rumzusprechen, dass besagte Dame trotz ihres Künstlernamens (ich finde ja Edith passender)keine Jüdin ist.

    Und das Denkmal – nun für mich ist es ein Denkmal, dass sich ein paar Betroffenheitsprofis selbst gesetzt haben.

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