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Immer mehr

…denke ich, ich will nicht in dieser Welt leben. Immer mehr scheint Gewalt um sich zu greifen, immer mehr können Menschen keine Worte nutzen, sondern Waffen. Wir brauchen nicht in weltweite Konflikte zu schauen. Eine Station der öffentlichen Verkehrtmittel reicht schon. Man wird angegriffen, wenn man helfen will, man wird angegriffen, wenn man nur „falsch“ kuckt, man wird angegriffen, wenn man optisch nicht gefällt. Für mich alles ein Zeichen immenser Hilflosigkeit, Unfähigkeit, Aggressionen zu kanalisieren, unfähig auszudrücken, was gewünscht ist – auch einem selbst gegenüber.

Ich kann damit nicht umgehen. Manchmal denke ich, ich komme aus einer anderen Zeit. Mit Sicherheit habe ich andere Werte, Werte, mit denen man vielleicht heute nicht mehr all zu weit kommt. Aber eines weiß ich inzwischen gewiss: ich kann mir noch immer in die Augen sehen. Was ich in meinem Leben erreicht habe, habe ich mit ehrlichen Mitteln erreicht. Ich gehe nicht über Leichen, stoße niemanden in den Abgrund. Daher fehlt mir das Verständnis für Menschen, die so agieren – ich scheitere daran.

Und jetzt, jetzt sind wir von Gewalt umgeben, eine Spirale, die immer schneller drehen wird, gepuscht von den Medien, damit wir das Sommerloch überstehen vielelicht. Ich weiß es nicht. Aber momentan habe ich immer mehr das Gefühl, dass ich mit zunehmender Gewalt pazifistischer werde. Ich nehme keine Seite ein. Ich habe Verständnis oder versuche es zumindest, für alle sogenannten Seiten. Denn wenn man ihren Blickpunkt einnimmt, ist vieles plausibel. Nur eines nicht, nie: Gewalt. Wie kann man dieser Spirale entkommen? In einer Welt, wo das oberste Ziel, Recht zu haben ist? In einer Welt unter der man unter permanenter Bedrohung lebt, Frieden womöglich eine Zeit ist, in der nichts mehr zu tun ist. Ich habe keine Antwort. Nur die, ich mache nicht mit.

Warum vergisst die Welt, das das Leben nur einmal da ist, dass wir unseren Planeten zerstören, dass wir uns gegenseitig töten….ist das der Weg zum Paradis, zu der Welt, in der wir keine Waffen brauchen, weil wir nichts neiden. Ich habe noch immer das Bild vor Augen, Bornholmer Straße, 11. November 1989 (da durfte ich dann auch „rüber“), Gewehr am Grenzpolizisten, aber eine Blume darin.

Ich weiß, dass ich blauäugig erscheinen mag, aber ich glaube daran. Wenn sich alle Menschen danach orientieren würden…nun ja, wir wissen, was dann wäre.

1 kommentar

  1. "Manchmal denke ich, ich komme aus einer anderen Zeit. Mit Sicherheit habe ich andere Werte, Werte, mit denen man vielleicht heute nicht mehr all zu weit kommt"

    Du sprichst mir aus der Seele, mir, oder besser gesagt, Y. und mir geht es genauso. Wir verstehn immer öfter die Welt nicht mehr. Und dabei sind wir doch noch gar nicht soo alt …

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