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Literatur: Yasmina Khadra: Die Schuld des Tages an die Nacht

Es gibt Bücher und es gibt Literatur. Letzteres sind für mich gewöhnlich sogenannte Klassiker, Meister der Sprache wie sie heute kaum noch zu finden sind, da das Schreiben wohl Zeit braucht – und auch das Lesen – Zeit, die wohl niemand mehr hat.

Dieses Mal aber habe ich mir Zeit gelassen für ein Buch. Kein Krimi, kein Lückenfüller, einfach mal nur: Literatur. Mein Schwärmen gilt dieses Mal Yasmina Khadra. Der Titel verspricht geheimnisvolles, doch lässt nicht ahnen, worum es geht. Die Schuld des Tages an die Nacht heißen die ersten Worte, die man auf dem Buch ließt. Nicht weniger poetisch geht es weiter. Lange nicht mehr habe ich mir Wendungen, Sätze herausgeschrieben, weil sie einfach nur schön waren, meisterhaft. Daher auch ein Kompliment an die Übersetzung. Ich habe angefangen zu lesen und sah bald, dass dieses Buch meine ganze Aufmerksamkeit brauchen wird. Nicht, da es schwer zu lesen sei, große Konzentration erfordere – sonder, weil es einen in eine andere Welt entführt. In die Welt des französischen Algeriens mit Weinfeldern, Cafés, in eine Welt in denen die Unterschiede zwischen Kolonialherren und Bevölkerung nicht konflikthaft zu sein scheinen, in eine magische Welt…Khadra führt uns durch diese Welt, in dem wir mit ihm aufwachsen, die Grenzen sehen, die ihm doch als Araber gesetzt sind, der Zwiespalt in dem er lebt, als die Befreiungskämpfe beginnen – er, der zwischen den Welten lebt. Und über allem kreist die Freundschaft, die Liebe, zwischen Menschen, dem Land. Und hier sind keine Unterschiede. Alle lieben gleich. Und man bekommt Sehnsucht nach diesem Land und weiß doch, dass es das nicht mehr gibt, es ein anderes Land geworden ist. Khadra liebt dieses Land, es spricht aus jedem Buchstaben. Er hat dieses Land verlassen, lebt im Exil. Im Buch ist er der einzige, der letztlich bleibt.
Er beschreibt eine Welt, in der die Religion nicht die Hauptrolle spielt, alles, was zählt ist Freundschaft. Ach, einfach nur ein gutes, schönes Buch!

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