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"So, und nicht anders fühlst Du jetzt!"

So kommt es mir in der pädagogischen Arbeit zu NS Themen in Deutschland vor. Es wird geklagt, dass Jugendliche kein Interesse zeigen würden, teilweise auf Abwehr schauen und immer werden die Fehler bei der Zielgruppe – eben den Jugendlichen gesucht. Sicher gibt es immer welche, die nicht an Geschichte interessiert sind. Mein Interesse für Mathe war ja auch nicht gerade gigantisch. Seltsamerweise wird nicht in Frage gestellt, wie Themen behandelt werden, wie vermittelt. Man geht einfach davon aus, dass die Konzepte, die doch schon so lange praktiziert werden gut sein müssten. Personen, die quasi Platzhirsche auf diesem Gebiet waren, werden ihre Autorität nicht in Frage stellen lassen und erlauben auch nicht das geringste Hinterfragen.

Dennoch, wie reagiert man selbst, wenn einem gesagt wird, wie man auf bestimmte Themen reagieren muss, wie zu fühlen? Man kann verwirrt sein, wenn es einem nicht so geht, sich fragen warum, ein Manko erkennen und damit dann versuchen, dieses zu beseitigen. Wie macht man das am besten? Man kann so tun als fühle man etwas, was nicht da ist, man kann in die offene Verweigerung gehen. Das scheint immer mehr zu geschehen. Es bleibt kein Raum für eigene Gefühle, keine Zeit, diese zu bilden, da dieses Schuldbild so fest integriert ist, so sehr vermittelt wird, dass diese Schuld an alle Generationen übergeht. Das kann doch einfach nicht gut gehen.

Lehrer sind hilflos, wenn sich ein Schüler widersetzt, widerspricht. Das passt nicht ins Muster, man ist nicht vorbereitet. Aber sollte so nicht pädagogische Arbeit laufen? Auch Zweifeln Raum geben und sie durch die sachliche und nicht wertende Arbeit am Thema beseitigen. Der Schüler, der zweifelt, wird selbst erkennen, dass er falsch liegen könnte, in dem er den Raum bekommt, das zu erarbeiten. Er wird es erkennen, wenn er nicht vom ersten Moment an verurteilt wird oder das Ergebnis vorgegeben ist: Ihr habt jetzt betroffen zu sein und vor allem: fühlt Euch schuldig! Aber wofür bitte? Was haben sie getan? Nichts.
Historische Tatsachen zu lehren sind eine Sache, der Mensch ist in der Lage, daraus Schlüsse zu ziehen. Jemandem aber Schuld zuzuweisen, der keine Schuld trägt kann nicht zum gewünschten Ziel führen.
Widerstand gegenüber rechten Entwicklungen kann nur erfolgen, wenn man in sich sicher ist. Eine Erbschuld wir zur Verteidigung dieses „Erbes“ führen. Es gibt kein schwarz oder weiß, wir haben auch immer grau dazwischen – in vielen Schattierungen.

Also lasst diesen Zeigefinger weg. Überdenkt eingefahrene Konzepte, hört auf Feedback, fragt danach. Es ist gut und es hilft, wenn man von seinem Ross heruntersteigt und auf die hört, um die es hier eigentlich geht. Vertraut auf die Menschen und ihre natürlichen Gefühle. Man ist nämlich nicht per se schlecht, wenn der Großvater in der Wehrmacht war….

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