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Erledigt

Es ist seltsam. Ich bin momentan derartig erschöpft, dass ich spätesens um neun in die Federn falle. Ein soziales Leben habe ich quasi gar nicht (mehr)…aber dennoch bin ich glücklich. Ich habe in den letzten Jahren lernen müssen, mich nicht immer unter Druck zu setzen, nicht perfekt sein zu müssen und vor allem, nicht dafür zu leben, die Erwartungen anderer erfüllen zu müssen. Gut bin ich in diesem Gelernten noch lange nicht, ob ich es auch je sein werde weiß ich nicht.

Heute, da es auf den Schabbat zugeht, freue ich mich drauf. Mein eigenes kleines…ich brauch keine Schul, um den Segen zu sprechen, um meine Minichallot in mich hinein zu verfrachten. Ich genieße – mein Tempo und meine Lautstärke. Alles, was an Reizen zuviel ist, schalte ich ab. Dazu gehören momentan auch wieder einmal Menschen um mich herum. Mein Gehirn ist permanent unter Hochspannung, muss permanente Höchstleistungen bringen – irgendwann ist es zu viel. Irgendwie ist es gerade mal wieder soweit. Ich weiß, viele denken jetzt, dass gerade die Gruppe das schöne ist, das aufgefangen werden. Mir macht die Gruppe gerade Angst. Ich mag nicht erklären müssen…

Jetzt wo ich das lese, klingt es gar nicht zufrieden. Ich bin es aber. Ja, etwas schlechtes Gewissen, dass ich mein religiöses Leben in der Gruppe, sprich Gemeinde, so vernachlässige ist da. Es ruft – gerade, wenn die Feiertage kommen. Und jetzt…jetzt kommen sie. Um mich herum putzt und wienert man wie verrückt, kashert und was weiß ich alles noch und wird dann am Sederabend völlig erledigt sitzen und eigentlich ist dann schon alles vorbei. Ich putze nicht wie verrückt. Ich mache es eh immer im Frühling. Chametz wird aufgebraucht, die Behälter gründlich gereinigt und das war es dann auch. Geschirr gibt’s für diese Zeit extra…also, was soll’s? Die kleinen Rituale…nun, ich brauche sie nicht. Was ist Pessach? Sollen wir sauber machen? Geht es nicht um etwas ganz anderes? Und ja, ich weiß, dass ich am Sederabend wieder einschlafen werde. Ich habe keine Kraft zu einem Seder zu gehen. Habe die Einladungen abgesagt…werde meinen eigenen kleinen Seder machen. Im Büro komme ich am nächsten Tag erst am Nachmittag, so habe ich Ruhe…
Ich komme immer wieder dahin zurück, dass so viele Menschen (egal welcher Religionen), sich so sehr an Ritualen aufhalten, sich so darauf konzentrieren und das Eigentliche aus den Augen verlieren, den Sinn, die Wurzel ihrer Feiertage. Manche meinen gar, sie würden bestraft, hielten sie sich nicht sklavisch an die Vorschriften. Aber nun in der kommenden Woche geht es nicht gerade darum? Dass wir keine Sklaven mehr sind? Keine mehr sein sollten und uns darauf besinnen? Wir lassen uns versklaven – nicht nur durch die allfrühjährlichen Putzorgien. Denkt an das, was Pessach wirklich ist und genießt die letzten Challe heute abend.

Schabbat schalom…

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2 Comments

  1. Noa Noa

    Hey, wie gut ich dich verstehe in punkto muedigkeit. auch ich falle nur noch ins bett.
    und – lass dir nichts erzaehlen, lass dich nicht unter durck setzen. ich denke, dass jeder so pessach feiern sollte wie es fuer ihn passt und angenehme ist.
    wie du schon sagst, dass wichtigste ist doch die erinnerung und das innere Fest, die innere Einstellung. und davon hoere ich bei dir sehr viel.
    also. pessach sameach Juna
    Noa

  2. Pessach kascher we'sameach!

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