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Eine kurze Nachricht am Morgen, kann in Angst enden

Heute morgen, als ich aufwachte, oder sagen wir besser der freundliche Wecker meinem wohligen Schlaf ein Ende setzte, liefen die Nachrichten. Mit einer kurzen Notiz wurde erwähnt, dass die Niederlande noch in diesem Jahr ihre Truppen auf Afghanistan abziehen würden, da es wohl keine Anfrage zu einer Mandatsverlängerung gäbe.
Irgendwie aber fand ich gerade die Erklärung seltsam, da es bereits seit einigen Tagen einen Streit zum Thema Irak und Afghanistan im Parlament gab. Man macht sich gegenseitig das Leben schwer, verliert das Eigentliche aus den Augen – ganz so, wie es zu oft in der Politik geschieht. Das „große Ganze“ wird aus den Augen verloren.

Warum ich nun Angst bekam? Nun, eigentlich gar nicht wegen diesen Streits, es sind die nun folgenden Konsequenzen. Neuwahlen in den Niederlanden. In einer Zeit, in der die Zustimmung zu einem Mann, der, würde er in Deutschland Politik machen wollen, einen weltweiten Aufschrei verursachen würde. Erinnert doch zu viel an etwas, was es schon einmal gab. Dieser Mann gewinnt immer mehr Zuspruch in diesem Land, das doch bekannt ist für seine Liberalität, seine Offenheit. Makulatur? Was geschieht, wenn man Gefahren im eigenen Land nicht sieht? Auch hier in Deutschland bemerke ich, dass dieser „Mann mit der Wasserstofffrisur“ (Welt) nicht ernst genommen wird. Zu absurd sind seine Forderungen von Steuer für Kopftuchträger, sein Vergleich des Koran mit Hitlers „Mein Kampf“ und mehr. Was ich sehe sind Parallelen und immer mehr Zulauf. Dieser Mann weiß sehr genau, was er wann und wie sagt. Auch, wenn er jetzt wegen Volksverhetzung vor Gericht steht, das Urteil wird ein Gewinn sein, so oder so. Freispruch: er hatte recht, Verurteilung: Märtyrer.

Aus meiner Erfahrung in der Arbeit mit (jungen) Niederländern sehe ich eines: Unwissen. Absolutes historisches Unwissen. Wenn sie überhaupt etwas zu dem Thema wissen, dann, dass natürlich alle Niederländer Juden gerettet haben. Nun, wenn dem so ist, fragt man sich ernstlich, warum dann doch der größte Teil ermordet wurde. Der Glaube, dass die Mörder ausschließlich Deutsche waren sitzt fest. Der Stolz auf die Nation (und sie können wirklich auch vieles stolz sein, von dem wir so viel lernen könnten) ist mit den Jahren überhöht worden, wurde in weiten Strecken zu Nationalismus ohne Selbstreflektion, ohne Selbstkritik. Sind die Deutschen oft zu selbstkritisch und zu gewahr in bestimmten Punkten, so scheinen die Niederländer schlicht keine Gefahr zu sehen. Denn schließlich kann sowas ja nicht in den Niederlanden passieren. Wie denn auch, in so einer zivilisierten Nation. Nun…in einer anderen Zeit in einem anderen Land haben das schon andere gesagt und wurden nur wenig später ermordert.

Mag sein, dass ich zu panisch reagiere. Aber diese Desensibilität in bestimmten Punkten außerhalb unserer Grenzen macht mir Angst. Denn solche Dinge konnten nicht nur in Deutschland entstehen. Sie können überall entstehen, auch heute…man muss nur die Zeichen erkennen.

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2 Comments

  1. Hallo Juna
    Ich freue mich sehr über Deine besondere
    Beobachtungs-und Auffassungsgabe,auch wenn die
    Thematik ja meist eher freudlosem Ursprungs ist.
    Du bewegst mich und läßt mich viele Dinge aus einem anderem Blickwinkel sehen,vielen Dank.
    Fremdenhass egal ob durch Glaube , Herkunft oder Angst motiviert,zerstört!!
    Mach bitte weiter so!
    Liebe Grüße
    Andre

  2. Danke Andre, das sind wirklich nette Worte!

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