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Das Weihnachtsbaumverbot oder Gibt es auch andere Probleme?

Wenn man durchs Jüdische Museum in Berlin läuft, trifft man zwangsläufig irgendwann am Ende der zweiten Etage, zeitlich dann um 1900 auf einen Weihnachtsbaum. Gäste freuen sich um die Weihnachtszeit, dass man daran dachte…machen sich keine Gedanken, andere Gäste empören sich schrecklich. Viele Diskussionen durfte ich damals dort führen..ich denke, so ist es heute auch noch. Aber: der Baum steht dort immer, ist Teil der Ausstellung, zeigt die Assimilation der deutschen Juden in dieser Zeit. Ja, heute gäbe es wieder großes Geschrei, wenn jemand sich einen Baum ins Zimmer stellen würde. Aber meine Güte, lasst die Leute doch tun, was sie wollen. Jedem Tierchen sein Pläsierchen wie es schon einmal hieß. Als Kind hatten wir auch einen Baum, es war einfach selbstverständlich. Gedanken habe ich mir darum nie gemacht. Heute ist das anders, aber ich bin ja auch kein Kind mehr.

Wie dem auch sei, Ulrich Sahm schreibt hier von einer Empfehlung des israelischen Oberrabbinats, Weihnachtsbäume in Hotels und Restaurants zu vierbieten. Man drohe mit Entziehung des Koscherzertifikats und Publikation der Häuser – ganz klar mit dem Ziel, potentielle Kundschaft fernzuhalten. Ja, es sei nur eine „Empfehlung“. Der Gedanke aber, mit Verlaub, ist schon etwas merkwürdig. Was passiert dort gerade?
Die Welt schreit über das Minarettverbot in der Schweiz….aber im Land der Wurzel dreier Religionen sollen Teile einer Religion verboten werden? Und schon kommen wir zur Frage, ist ein Weihnachtsbaum christlich? Sind es Weihnachtsmänner?
Mir hat der Artikel einiges an Stirnrunzeln bereitet. Meiner Meinung über das israelische Oberrabbinat, das ja neulich schon auf Chajms Blog diskutiert wurde, wird wirklich nicht besser.

Ich denke darüber nach, im nächsten Jahr doch einen Weihnachtsbaum zu haben. Und den hänge ich dann voll mit Weihnachtsmännern, sauren Gurken, Fußbällen, Dreideln, Vögeln, Kängurus und all den anderen christlichen Symbolen, die man beim örtlichen Glasbläser inzwischen für den christlichen Baum erwerben kann…
Und dann möchte ich im Gegenzug noch eine Empfehlung der Kirchen, keine Menora im Pfarrhaus mehr aufstellen zu dürfen, ganz zu schweigen von der Kirche…es könnte ja meine religiösen Gefühle verletzten…

1 kommentar

  1. Noa Noa

    Hach, Juna, danke fuer diesen Artikel … es ist einfach schlimm, wie sehr akribisch man sich an so einem Mist aufhalten kann. Ich moechte keinen Weihnachtsbaum mehr, aber ich habe meine Tochter besucht und sie hat mir mit Freude ihren praesentiert. Warum auch nicht? ich habe meine Chanukkia mitgebracht und meine 4. oder 5 Kerze angekzuendet und wir haben in Frieden gegessen, ich vom Plastikteller die anderen vom normalen Geschirr… es geht, Leute, es geht, wenn man nur will. Und – hier in Israel- ehrlich gesagt, finden es viele leute gar nicht soooo SCHLIMM, wenn sie – obwohl sie juden sind, Weihnachtskarten bekommen, undh das schon seit Jahren… das sehe ich etwas anders, ich finde es ein wenig ignorant, denn man koennte sich ja auch ein wenig gedanken machen, was fuer ein fest die juden feiern und dann von irgendwoher ne Chanukka-karte besorgen. Aber – wie gesagt, es finden viele sehr locker und machen ohnehin was sie wollen….
    danke fuer den Artikel nochmal
    Noa

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