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Unwissenheit

In diesem Semester belege ich recht viele historische Veranstaltungen, primär zu NS etc. Was mir in der letzten Zeit immer mehr zu denken gibt, ist das Unwissen. Kommilitonen, die die Grundbegriffe dieser Geschichte nicht kennen, Unwissen, Unwillen…und für mich die Fragen, warum belegt man dann solche Veranstaltungen, die keine Pflicht sind. Interesse ja, das ist zu begrüßen, aber der Wunsch, alles vorgekaut zu bekommen und zwar festzustellen, dass vorausgesetztes Wissen nicht vorhanden ist und es sich dennoch nicht anzueignen, finde ich etwas bedenklich.
Im Übrigen stelle ich vermehrt fest, dass ich offensichtlich eine gute Schulbildung genossen habe. Das Thema NS war seit mindestes der fünften Klasse ein Thema (und ja, ich lebe noch). Aber auch später habe ich offensichtlich meinen Lehrern viel zu verdanken, denn ich habe mehr lernen dürfen, als es üblich ist. Mein Fehler nun ist, dass ich denke, dass das jeder in der Schule hatte – zumindest Menschen meines Alters und darunter.

Neulich war ich zu einer Lesung im „Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit“ in Schöneweide. Rege wurde am Ende diskutiert über das Unwissen über die Pläne der Osterweiterung Deutschlands, über Zwangsarbeit etc. Ich war, muss ich gestehen, etwas irritiert. Denn spätestens während des Abiturs habe ich meinem Herrn B. reichlich Bildung zum Thema zu verdanken. Gut, auf die Strategien im Russlandfeldzug hätte ich verzichten können. Dennoch haben wir die Siedlungspolitik, die Verschleppung der Polen, Zwangsarbeit behandelt. Was passiert eigentlich heute in den Schulen? Dass NS erst zum zweiten Halbjahr der zehnten Klasse behandelt wird, ist gerade für die abschließenden Jahrgänge eine Katastrophe. Sind wir doch mal ehrlich, wer ist denn noch konzentriert in dieser Zeit, wenn man bald die Schule abschließt, sich bemüht, eine Lehrstelle zu bekommen, überhaupt einen Abschluss zu bekommen.
In meiner Arbeit höre ich immer wieder, dass gerade die jungen Leute lernen sollen. Nun, ich bin anderer Ansicht. Alle sollen lernen, sich selbst interessieren. Denn wie heißt es so schön, nur wer die Geschichte kennt, kann die Zukunft besser machen.

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4 Kommentare

  1. akru akru

    Also ich weiß nicht woher deine Kommolitonen kommen, aber ich hatte die NS-Zeit seit der 7. KLasse in allen möglichen Fächern. Vorallem Deutsch, Sozialkunde, Religion, Geschichte…!! In der in der 9. Klasse vorallem in Sozi und Deutsch, 10. ein komplettes Halbjahr in Geschi, in der 12. auch und zwischendurch immer in Religion…!
    Mehr muss dann auch nicht wirklich sein…!

  2. Dann scheinst Du wohl auch so eine Ausnahmeschule gehabt zu haben. Die Erfahrung zeigt mir nicht nur in der Uni, dass das selten ist.

  3. Anonym Anonym

    Ich glaube, da gibt es ein echtes Generationsproblem: Während meine Nachkriegsgeneration noch wissen wollte, welche Rolle denn die eigenen Eltern und Großeltern während der NS-Zeit gespielt haben, hat sich dies bei der nächsten Generation erledigt.
    Meine Tochter (24 Jahre) hat in der Schule durchaus einiges über diese Zeit erfahren. Da sie aber weder direkt noch indirekt betroffen war, war auch ihr Interesse an diesem Thema in keiner Weise mit dem Interesse meinerseits im gleichen Alter zu vergleichen.

    Auch im Fernsehen kommt soeben ein Hinweis auf die Sendung "Die Sternstunden der Deutschen."

    Es wird langsam problematisch, die Erinnerung an die dunklen Stunden und Jahre unseres Volkes wachzuhalten. Dies ist aber unerlässlich um eine Wiederholung dieses Größenwahns zu verhindern.

    Die Fraqe ist also: Wie interessiere und sensibilsiere ich die nachfolgenden Generationen für dieses Thema?

  4. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man die Menschen mit konkreten Biographien vertraut machen muss. Die immer gern genutzte Anne Frank ist ein Beispiel dafür, wobei ich denke, sie wird überstrapaziert. Aber allgemeine Zahlen oder Geschichten bringen keine Bindung, Identifizierung. Konkrete, vielleicht sogar noch lebende Personen. So z.B. die Erarbeitung von Lebenswegen an Dokumenten.

    Mit Überstrapazierung und erhobenem Zeigefinger passiert da gar nichts. Dennoch erwarte ich von Abiturienten mehr Interesse, besonders, wenn sie sich offensichtlich für ein historisches Studium entscheiden – oder zumindest einen Schwerpunkt hier legen.

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