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Der andere 9. November

In diesem Jahr stand der 9. November unübersehbar im Zeichen des Mauerfalls. Es scheint, die andere Bedeutung des Tages sei übersehen worden. Ich muss gestehen, dass ich keine der Reden zum Mauerfalljubiläum gehört habe. Vielleicht gab es Hinweise zu den zwei Seiten diesen Tages der Deutschen.

Wer allerdings etwas suchte zur Pogromnacht, der konnte in Berlin nicht all zu viel finden. Vielleicht ist die Energie nach dem letzte Jahr raus. Auf Nachfrage in einem touristischen Geschäft, bekam ich die Antwort: „Oh, das war doch letztes Jahr!“. Für mich ein Zeichen, dass dieser Tag im letzten Jahr eben doch in Erinnerung blieb. In diesem Jahr aber:

– eine „Szenische Kollage“ zum 80. Geburtstag Anne Franks
– Vorstellung eines Gedenkbuches der Charlottenburger Juden
– Texte und Inszenierung von Jugendlichen zweier Kirchengemeinden
– Robert Kreis singt (mal wieder) „Verehrt, Verfolgt, Vergessen“

Nun, ehrlich… sind das nicht eher Veranstaltungen für die Veranstalter selbst? Ist es wirklich etwas, was Menschen bewegt? Sie an einem Tag, der geradde in diesem Jahr so sehr von anderen Erinnerungen eingenommen wird, in eine andere Stimmung versetzen kann? Oder ist man gleich von vorhinein davon ausgegangen, dass man eh keine Chance gegen die Feier um das Brandenburger Tor hätte?

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, ein gutes Programm entstehen zu lassen. Und diese Veranstaltungen sind ebenso selten gut besucht. In München las man in diesem Jahr Namen am 9. November…in anderen Städten Europas auch. Vielleicht sollte man 71 Jahre nach der Nacht darüber nachdenken, eine Tradition einzuführen, die man zumindest in allen deutschen Großstädten finden könnte. Denn, wenn wir es genau betrachten, wird vor allem von außerhalb der deutschen Grenzen erwartet, dass dieser Tag in irgend einer Weise begangen wird. Dass man in Berlin z.B. die Namen der ermordeten Berliner Juden zum Jahrestag des Aufstandes im Warschauer Ghetto gelesen wird, wird nicht erwartet.

Ja, nur ein paar Gedanken zur Vereinbarkeit diesen Tages mit seiner Geschichte – vielleicht der Gedenktag der Deutschen. Zeit, nachzudenken. Ich hoffe es. Die nächsten Jahre werden wohl wieder ruhiger werden.

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