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Noach

Zu Kabbalat Schabbat mal wieder in der Synagoge gewesen. Es war, wie ein nach hause kommen nach langer Reise. Und seltsam auch, wie doch die Gebete, Lieder so tief in mir zu schlummern scheinen, dass sie geweckt wurden dort und ich mich selbst wundere, dass ich den Siddur gar nicht brauche. Ja, aber gut war es, geholfen hat es. Früher bin ich immer in die Synagoge gegangen, um ein Ende der Woche zu haben. Einen Wendepunkt, Einstimmung auf den Ruhetag, der sonst noch mit Unruhe gefüllt war. Gern vergleiche ich es als Meditation. Eben, zur Ruhe kommen. Auch gestern war es schön. Freudig begrüßt, keine Fragen, wo ich so lang gewesen sein, einfach nur gut, dass ich wieder da bin.
Eine Trennung zwischen Profanem und Heiligen, wie es immer so schön heißt, kann es für mich nicht mehr sein. Die Zeit in der Synagoge, die Zeit danach zuhause, das ist mein Schabbat. Sonst kann ich keine Unterschiede machen, Arbeit ist Arbeit.

Die Parscha heute war Noach. Interessant der Aspekt, ihn als Überlebenden zu sehen, als einen der kämpft. Gerechter seiner Zeit, nun, dass kann so oder so ausgelegt werden. Hätte es keine Flut gegeben, wäre auch Noach einer von vielen geblieben, so aber stand ihm eine besondere Rolle zu. Überlebender, nicht nur zur Flut, sondern vor allem auch danach. Ein Kampf, der nicht von heute auf morgen vorbei ist. Ein Kampf, der auch für uns noch andauert, wie gestern gesagt wurde. Wir hatten zwar keine Flut der Wasser, dennoch überflutete uns etwas vor siebzig Jahren. Und die, die blieben kämpfen weiter ums Überleben, darum, das Land wieder urbar zu machen.

Und auch meine persönliche Geschichte, ich habe überlebt, aber ich kämpfe weiter jeden Tag. Ich warte immer darauf, dass dieser Kampf vorbei sein müsse. Seit gestern abend aber sehe ich, dass dem nicht so ist. Sondern, dass mein eigener Kampf um mein ganz persönliches Überleben auch länger dauern wird. Er wird nicht von Zauberhand beendet sein. Er wird Teil meines Lebens werden und ich werde ihn nicht mehr als Kampf ansehen. Insofern hat mir Noach geholfen. Meine Interpretation für dieses Jahr in meinem Leben. Und ja, vielleicht bin ich gestern doch geleitet worden, gerade dann wieder zurückzukommen, wenn dieser Abschnitt kommt. Und wie Noach habe auch ich Regenbögen gesehen. Was am Ende ist, weiß ich nicht…muss ich es auch wissen? Sie waren da…

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Ein Kommentar

  1. Noa Noa

    Wie schoen, Juna, deine Gedanken zur Parascha. Ja, ich finde auch, jeder findet etwas, was ihm eine ganz persoenliche Antwort auf die derzeitige LEbenssituation gibt.
    Danke, Juna.
    Noa

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