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Deutsche Sprache

Ich bin mit Sprache aufgewachsen. Anders als es vielleicht heute üblich ist. Ich bekam vorgelesen, las sehr früh selbst, um nicht immer von den Erwachsenen abhängig zu sein. Bekam Bücher als Geschenke, wenn andere noch Spielzeug bekamen, auch heute sind mir Bücher die liebsten Geschenke, auch, um sie anderen zu geben… Ich liebe Sprache, liebe gute Sprache und meine Sprache ist deutsch. Ich habe früh gelernt, zu entdecken, welchen Stil ich mag, was Sprache vermag, wie sie beeinflussen kann, wie schön sie sein kann und auch wie schlecht…  Die Großtante, die immer darauf bedacht war, dass ich „ordentliches Deutsch“ spreche, keinen Dialekt, geschweige denn Jiddisch…eben, typisch geboren 1916 in Deutschland… Ich liebe sie eben, meine Sprache – Deutsch.

Um so mehr schmerzt es mich, wenn sie nur unter einem Gesichtspunkt, nämlich als Sprache der Nazis gesehen wird. Geschieht dies, passiert bei mir seltsamerweise das selbe, wie wenn jemand Israel pauschalisiert: ich ergreife Partei. Dass Deutsch mehr ist, als die LTI ist, scheint nicht mehr bekannt zu sein…
Ich habe Bekannte, Überlebende, die kein Deutsch mehr sprachen, vielleicht auch heute nicht mehr sprechen wollen, andere, die sich ihre Sprache nicht wegnehmen haben lassen…jeder ist seinen Weg gegangen, den für ihn richtigen Weg. Dennoch habe ich beobachtet, dass sich die Verweigerung, die Sprache zu sprechen, im Alter oft auflöste. Man fing wieder an….das Goethe Institut in Tel Aviv ist heute eine gefragte Adresse für jüngere Menschen. Warum? Deutsch lernen.
Deutsch klingt hart für die Ohren, aber es hat eine solche Vielfalt an Wörtern, Synonymen…ich habe das Gefühlt, dass ich auch heute noch diese Sprache lerne. Bin oft genug unsicher, wie etwas zu formulieren sei…und entdecke mit Begeisterung die Bücher von Menschen, die es offensichtlich schon wissen….

Zurück zum eigentlichen Ausgang, nein, ich finde es nicht authentischer, wenn man ein Buch zur Geschichte, das nicht mit Zitaten arbeitet, auf Deutsch kauft, nur, weil man meint, es sei authentischer. Quellenstudium sollte natürlich, so möglich, in der Originalsprache betrieben werden. Aber ist es besser, ein Buch zu kaufen, dass man letztlich schlechter versteht, als z.B. Englisch? Für mich eher ein Zeichen, dass man in diesem Buch wohl eher nicht lesen wird. Es wird im Schrank stehen. Und man hat sich damit offensichtlich das Grauen gekauft, dass so mancher Tourist heute in Berlin, München, Nürnberg etc. sucht. Ein seltsamer Tourismus entsteht. Mir ist dieser unheimlich – auch, da hier bereits eine gewisse Abstumpfung zu entdecken ist.

Wie man sieht, bin ich heute etwas verbittert….

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