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Verstört…

…bin ich. Bin ich seit heute morgen. Ahnungslos mache ich meinen Computer an, Nachrichten nachsehen…und was sonst noch so anfällt… So auch ein Emailkonto, das ich sehr selten nutze, dort laufen z.B. Netzwerkbenachrichtigungen an. Es gibt ja allerlei verschiedene Netzwerke, so auch Stayfriends. Ich hatte mich vor einigen Jahren dort auf Einladung registriert. Da ich dank meines Lebenslaufes in diversen Schulen war und ich doch wenn auch wenige, aber doch ein paar Kontakte wieder herstellen wollte, war das eine gute Hilfe. Wen ich finden wollte, fand ich. Kümmerte mich nicht groß um Neuwerbungen oder Vernetzungen. Gelegentlich kommt eine Anfrage zur Verknüpfung…je nach Interesse gehe ich dem nach.

So erging es mir auch heute. Allerdings war es diesemal niemand, der mir schlicht egal und uninteressant war. Es handelt sich um denjenigen, dessen Namen ich nie vergessen habe. Selbiges ist ein Zeichen, da ich ein Meister im Namenvergessen bin. Und nein, es handelt sich nicht um die erste Liebe, sondern um den Menschen, der mich Jahre meiner Kindheit gekostet hat, der auch heute noch in meinem Leben zu verantworten hat. Ich habe mir oft gesagt, daß er das bei einer Konfrontation nicht sehen wird, überhaupt keine Erinnerung vorhanden sein wird…aber in mir ist es nicht gestorben. Ich weiß, wo er arbeitet. Der Ort (und ich werde ihn nicht nennen) ist ganz das Gegenteil von dem, weshalb er mir das Leben zur Hölle machte.

Was also war. Ich wechselte in der dritten Klasse die Schule auf eine sogenannte Russischschule. Sprachunterricht ab der dritten Klasse und gute Aussichten, Abitur machen zu dürfen. Darum ging es auch meiner Mutter. Als Nicht-Arbeiter-Kind hatte ich schlechte Karten für ein Studium. Ich weiß nicht mehr wann und wie es anfing, aber recht bald. Dieser Junge war der Redelführer einer ganzen „Bande“. Er erteilte die Befehle, wenn er selbst nicht zuschlagen wollte. Ich werde es nicht lange ausführen. Fast drei Jahre war ich in einem Martyrium. Verprügelt, gedehmütigt, hilflos…die Lehrer, die Schule taten nichts. Begründung, sie könnten es nicht. Sie wissen, wer es ist, sie haben auf dem Hof zugesehen ohne einzugreifen. Der Junge war das Kind eines hohen Stasioffiziers und Parteimitglieds. Und ich, ich war schließlich nichts. Meine Mutter nicht mal in der Partei und wie könne ich denn auch sagen, ich glaubte an G’tt. Letztlich bin ich selbst schuld… Ich war nur noch verängstigt, sackte abgrundtief in der Schule ab, glaubte wirklich, daß ich dumm sei, da ich bei jedem kleinen Fehler ausgelacht und verspottet wurde. Sich daraus zu befreien ist ein hartes Stück Arbeit. Wie wäre mein Leben ohne verlaufen? Wie, wenn ich gelernt hätte, daß man Hilfe bekam? Wie, wenn ich mich nicht aus schlechten Noten herauskämpfen hätte müssen?…

Und nun sitze ich hier und würde ihm soviel um die Ohren schmeissen wollen. Weiß, daß es sinnlos ist…solche Konfrontationen führen  zu nichts. Aber dennoch, soll ich die „Freundschafts“-anfrage akzeptieren?

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5 Comments

  1. Lars Lars

    Hallo und herzlichen Glückwunsch zum interessanten Blog. Ich werde sicher öfter mal hier vorbeischauen.

    Dein Artikel hat in der Tat etwas Verstörendes. Klar gab es auch zu meinen Schulzeiten (im "Westen") Hänseleien, Prügeleien und Kinder, die es auf andere abgesehen hatten. Aber da wurde eben nicht tatenlos zugesehen.

    Bist Du bereit, dem Menschen zu verzeihen? Dann akzeptire die Anfrage. Irgendwie klingt Dein Text aber nicht danach – dann würde ich die Anfrage ignorieren. Warum eine Konfrontation provozieren, wenn man nicht muss?

  2. Danke Lars. Verzeihen…ich glaube dazu gehört auch immer jemand, der bereut bzw. um Verzeihung bittet. Ich lass es mir einfach noch durch den Kopf gehen.
    Allerdings kam mir auch ein Gedanke. Heute würde das wahrscheinlich sofort als antisemitisch ausgeschlachtet werden….Der Gedanke damals war total absurd. Wir nicht konformen wurden ja eh alle in einen Topf geworfen…

  3. Ich finde eine solche "Freundschaftsanfrage" einfach nur dreist!

  4. Anonym Anonym

    Ich meide solche Leute völlig. Willst du jedesmal, wenn du da vorbeischaust, seinen Namen in der Freundschaftsliste sehen? Evtl. macht es Sinn, ihm zu sagen, wie schrecklich sein Verhalten für dich war und dass du garantiert nie im Leben sein Freund sein willst. Vielleicht ist auch ignorieren am besten. Aber zu meinen "Freunden" käme so jemand garantiert niemals. Man muss sich ja nicht selbst vergewaltigen.
    Liebe Grüße und ich hoffe, du kriegst das Gefühl, dass sein Auftauchen bei dir hervorgerufen hat, wieder los!
    K.

  5. Kiki Kiki

    Meine Freundinnen wurden selbst gemobbt und bekommen auf diesen ganzen Social Network-Seiten ständig Angebote von den Leuten. Ich denke, das ist vor allem dazu da, um die fraundachftslisten als Statussysmbol aushängen zu können. "Guck mal, wie viele ich kenne. Ich bin wer!". Ich habe es immer so gemacht, dass ich diejenigen anschreibe und sie frage, wie ich denn so gewesen sei in ihren Augen… Wenn sie nett" schreiben, dann antworte nicht!

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