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Ernste Themen

In der letzten Zeit habe ich viel Zeit in Gesprächen verbracht. Gespräche über Berlin, die Schoa, das Leben hier als Berliner, als Mensch, als Jude. Das Leben in der Geschichte dieser Stadt und in ihrer Zukunft. Es war trotz schrecklicher Themen, trotz der intensiven Beschäftigung mit Widerstand und vor allem nicht Widerstand gute Tage. Sie waren nicht bedrückend, belastend, wie sie doch sein sollten. Woran lag das?

Ich komme mehr und mehr zu dem Schluss, dass ich in diesen Gesprächen nicht als Vertreter von Überlebenden oder Toten gesehen wurde, sondern viel mehr als jemand, der seine Stadt liebt, vermutlich ziemlich viel über sie weiß und erzählen kann und möchte… ich wollte vermitteln, warum ich es liebe, hier zu sein. Ich fühlte mich frei, ich konnte alles sagen, was ich dachte, ohne zu befürchten, dass man denken könnte, ich wäre unsensibel, ich solle doch gerade als Jüdin anders denken, anderes sagen. Ist es das vielleicht, was mich in der Kommunikation doch oft hindert? Das Thema Israel kam gar nicht erst auf, warum auch? Sollte das nicht selbstverständlich sein?

Wieder also habe ich gemerkt, dass man als Jude hier doch nur auf diese „Funktion“ reduziert werden kann. Warum bedarf es immer so einen langen Weg, bis man jemanden kennengelernt hat, um dann festzustellen, dass man doch „ganz normal“ ist? Warum kommen erst die langjährigen Freunde zu diesem Schluss? Gut, ich trage nicht auf einem Schild herum, an was ich glaube, doch irgendwann kommt es eben doch irgendwie raus… spätestens, wenn es in das Private, sprich meine vier Wände geht. Ich weiß, es ist leicht gesagt, aber wir sollten entspannter miteinander umgehen. Ich frage mich doch auch nicht, was denn wohl die Großeltern im Krieg gemacht hatten, wenn ich jemanden kennen lerne. Also fragt Euch bitte auch nicht, in welchen Lagern die meinen waren. Wir leben hier uns jetzt.

In anderen Gesprächen, auch mit Überlebenden ist mir in letzter Zeit immer mehr die Frage unter gekommen, warum sich die Deutschen, besonders die jüngeren Generationen so schuldig fühlen…. ja, warum nur? Schule? Juden sind nicht nur Holocaust, wir sind mehr und wir sind vor allem – am Leben und das kräftig…

Also, ab in die Sonne wieder heute. Lebt und denkt nicht so viel an das Sterben…

Tikkun Olam.

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