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Zoran Drvenkar – Sorry

…aber sagen Sie später bitte nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt. Das steht auf der Banderole, die man entfernen muß, bevor man das Buch aufschlägt. Gewarnt wovor? In meinem Fall: daß ich 24 Stunden die Hände nicht vom Buch nehmen kann, daß ich nicht schlafen werde, weil ich in die Welt am kleinen Wannsee und die Geschichte um die Villa dort mit hineingezogen wurde. Hypnotisch geschrieben, das war schon mein erster Eindruck auf den ersten Seiten. Die Hypnose läßt nicht nach. Man wird Teil des Buches, der Geschichte. Drvenkar nimmt den Leser direkt mit in das Geschehen, spricht ihn direkt an und läßt ihn Bestandteil des Lebens von Tamara, Frauke, Wolf, Kris und denen sein, die ihr Leben streifen, es von einem Tag auf den anderen beenden, so wie es war.
Berlin ist der Ort des Buches. Nicht das touristische Berlin, nicht das Berlin der Zugezogenen, sondern das Berlin, in dem noch Berliner leben. Es tut gut. Wir gehen mit ihm durch die Stadt nach Charlottenburg, Kreuzberg, Friedenau und ganz kurz auch nach Köpenick. Die Stadt ist hier unspektakulär, aber geliebt mit ihren Ecken und Kanten.
Und natürlich habe ich hier auch wieder eine kurze Verbindung zum Judentum entdeckt. Eine Person (und ich verrate jetzt nicht, um wen es sich handelt), hat alle Spiegel in seiner Wohnung zugehangen. Als Erklärung sagt er, es sei wegen eines verstorbenem jüdischen Onkel. Nicht unwahrscheinlich in Berlin…
Dieses Buch ist ein Gewinn für die deutschsprachige Welt der Thriller und Kriminalromane. Die Sprache ist klar und an Stellen sogar regelrecht poetisch. Ein-, zwei Mal allerdings erschien es mir, als wurden Phrasen eingebaut, die einfach irgendwo untergebracht werden sollten. Ich wünsche diesem Buch Erfolg, ich wünsche ihm, daß es so fesselt, wie es auch mich gefesselt hat. Im Februar erscheint Sorry. Wer Thriller liebt, wird in diesem Buch alles finden.

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