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Israelitische Erziehungsanstalt Wilhelm-Auguste-Viktoria-Stiftung in Beelitz


In Kießlings Reisebüchern, Wanderbuch für die Mark Brandenburg und angrenzende Gebiete von Prof.Dr. E. Albrecht aus dem Jahr 1910 findet man folgenden Hinweis: „

5. Von Berlin nach Wiesenburg. 53

Eine Waldchaussee (5 km ; 1. Fufsweg ; Omnibus 2 mal
für 30 Pf.) führt so. nach Stadt Beelitz, die an der
Nieplitz liegt (4500 E. , ohne die Kranken in den Heil-
stätten). Kurz vor ihr am Walde Rest. Alte Försterei.
die neue israelitische Erziehungsanstalt für geistig zurück-
gebliebene Kinder (Wilhelm- Auguste- Viktoria-Stiftung)
und Hot.-ßest. Schützenhaus nahebei der Bahnhof
der Jüterboger Bahn (Erfr.). In der Stadt selbst
{Schicarzer Adler; Goldner titern) eine im 13. Jahrh. er-
baute, 1898 zuletzt erneuerte, übertünchte Backsteinkirche,
einst besuchte Wallfahrtskirche; an der Nordseite die
Kapelle, in der sich die Kristallvase mit dem heiligen
Blute befand; Barockkanzel von 1656 Im J. 1478 wurde
B. von Johann Cicero erstürmt. Die Stadt ist berühmt
durch ihre Spargelzucht, bekannt auch durch ihre Rübchen.[...]"

Was verbirgt sich dahinter? Auf der Beelitzer Seite findet man unter Städtebuch 2000 den Hinweis zu Juden in Beelitz:

„15c. Andere Religionsgemeinschaften
Juden wohl schon 1247 in Beelitz, wieder nachweisbar seit 1720;
1801: 29 Juden,
1885: 19,
1910: 92,
1933: 109;
jüdischer Friedhof seit Mitte des 18. Jahrhunderts am Großen Anger,
um 1780 erweitert nach Westen (heute: Straße des Aufbaus);
Synagoge 1855 – 1910 (heute: Edelstraße);
1908 – 1942: Heim für jüdische geistig behinderte Kinder (im heutigen Gymnasium).“

Leider findet man auf der Seite des Gymnasiums keinen Hinweis auf die Geschichte des Gebäudes – zumindest konnte ich keine finden. Schade. Legiglich der Name der Schule: Sally Bein verweist darauf. Spätestens, nachdem das Buch Jüdisches Brandenburg: Geschichte und Gegenwart dort vorgestellt wurde, wäre es doch Zeit gewesen, die Geschichte auch von Schülerseite aus zu erforschen bzw. zu publizieren. In der Märkischen Allgemeinen liest man zum Buch:
„Den äußeren Anlass für die Gründung und die Eröffnung der Erziehungsanstalt am 25. Oktober 1908 bildete die Silberhochzeit des deutschen Kaiserpaares im Jahr zuvor, schreibt Hinz-Wessels. In der Einrichtung können geistig behinderte, aber „bildungsfähige“ Kinder und Jugendliche von 6 bis 14 Jahren eine zehnklassige Schulausbildung absolvieren, die mit eingeschränktem Lehrziel dem Lehrplan der öffentlichen Hilfsschule folgt. Neben dem Religionsunterricht sind es vor allem praktische Fähigkeiten wie Buchbinden, Tischlern, Holz- und Handarbeiten, die den Kindern und Jugendlichen vermittelt werden. Zum Schulleiter wird der Lehrer Sally Bein ernannt, der die Jüdische Lehrer-Bildungsanstalt in Berlin absolviert und in der Israelitischen Taubstummenanstalt in Berlin-Weißensee gearbeitet hat.
Nach unzähligen Repressalien gegen das jüdische Heim und seine Bewohner lösen die Nationalsozialisten innerhalb ihrer „Endlösung der Judenfrage“ die Erziehungsanstalt im Jahr 1942 auf und deportieren die jüdischen Lehrer und Schüler. Das Heim wird eine Haushaltsschule des Bundes Deutscher Mädchen (BDM).[]“

Leider kann man das Buch selbst nicht mit auf Wanderschaft nehmen – es ist gut, aber viel zu schwer für diesen Zweck….

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