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Entdeckung

Diesmal die Entdeckung der Juden – also auch mal der lebenden. Es liegt wohl am kommenden 9.November, daß sich Deutschland (oder hier mal Berlin) erinnert: Huch, da war ja noch was! Es gibt ja auch Juden in der Stadt, lebende, aktive, inaktive. Wir machen mal eine Sendung, Artikel oder irgendwas, um zu zeigen, daß wir dran denken. Zynismus hin oder her, ich möchte doch auf ein paar Sachen abseits der Berichterstattung über das Novemberpogrom hinweisen.

Zunächst ein Artikel über den Übertritt zum Judentum in der Berliner Morgenpost. Leider merkt man schnell, daß die Autorin keine richtige Ahnung hat – aber sonst erscheint er mir recht interessant. Besonders, da über den (umstrittenen) Berliner Rabbiner Walter Rothschild geschrieben wird. Gibt es eigentlich einen Rabbiner, der mehr Schlagzeilen machte? Eines kann man nicht abstreiten, er hat einiges an frischen Wind in die Berliner Gemeinde gebracht, damals, bevor er entlassen wurde. Sein großes Talent besteht m.E. darin, Humor zu haben. Etwas, was unter uns doch etwas rar gesät ist. Ja, ich weiß, es ist nicht jedermanns Humor. Aber ehrlich, müssen wir uns denn immer so bierernst nehmen? Er verlangt zu denken, nachzudenken zu hinterfragen, warum ist etwas, wie es ist, warum tun wir das, sollten wir es überhaupt (noch)?. Ich kann mir vorstellen, daß das auch ein Punkt ist, vor dem Menschen Angst haben können. Um auf den Artikel zurückzukommen, auch noch so ein Unding, er läßt doch tatsächlich Deutsche zum Judentum übertreten, überhaupt läßt er Leute übertreten…. Es riecht nach Skandal.
In Berlin kann ich nur von zwei Rabbinern sprechen, die sich nicht durch die eingefahren Strukturen haben einfangen und vor allem beeindrucken lassen: eben jenem W.R. und Rabbiner Ady Assabi z‘ l‘ (hier noch ein Link, freundlicherweise von Juebe aufmerksam gemacht). Ich bin mir sicher, wären diese beiden nicht gewesen, gäbe es heute auch keine Rabbinerin mit Anstellung in der Stadt.

Es gibt natürlich noch jemanden, über den gern geschrieben wird, so auch über Avitall Gerstetter in der Serie „Jüdisches Leben in Berlin“ in der Berliner Morgenpost.

Der weitere Hinweis ist für diejenigen, die rbb empfangen können. Heute Abend um 22:35 Uhr läuft dort „Im Palais“ zum Thema „Selbstverständlich jüdisch? Lebensgeschichten aus Deutschland“.

Am 8.11. gibt’s dann auf Kulturradio „Das Gespräch“ mit, na, wem wohl? Rabbiner Walter Rothschild um 14:04 Uhr.

Und wer dann noch nicht genug hat, der sei auf den 12.11. um 23:30 Uhr im Ersten hingewiesen: „Jüdisch, jetzt und hier“

Ich sagte doch, wir sind gerade Thema…..

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6 Comments

  1. Anonym Anonym

    Rothschild? Ich dachte, der darf von Gemeindeseite keine Konversionen mehr machen. Eigentlich ist es auch merkwürdig, wenn ein Rabbiner, der keine eigene Gemeinde in der Stadt hat, Konversionen durchführt…
    Die Morgenpost ist ohnehin nicht unbedingt DAS Medium für gute Berichte. Das fängt manchmal schon mit der Rechtschreibung an. Neulich gab es einen Bericht über die neue Lauder-Grundschule, da wurde von „häbräischer“ Sprache geredet. Nun ja, man kann ja nicht alles wissen.
    Auf jeden Fall ist es nicht richtig, daß Reformkonvertiten „manchmal“ nicht durch die Orthodoxie anerkannt werden. Sie werden NIE durch die Orthodoxie anerkannt. Ein guter liberaler Rabbiner sollte seine Leute darauf vorbereiten – das schützt sie zumindest etwas vor unliebsamen Überraschungen bei etwaigen Umzügen und läßt sie vielleicht noch einmal darüber nachdenken, wie das mit den Strömungen ist. Und daß nicht alles das Gleiche ist…

  2. Ich bin mir sicher, daß er die Interessenten darauf hinweist. Gerim, die sich wirklich für das Judentum interessieren werden es auch schnell selbst erfahren und sich darüber informieren. Und in Berlin spielt es für die Gemeindemitgliedschaft doch keine Rolle. Mir persönlich ist ein liberal Konvertierter, der noch weiß, daß er einmal ein anderes Leben hatte, zehnmal lieber als ein orthodox Konvertierter, der jetzt religiöser als alle anderen sein möchte. Im Mittendrin blog gab es neulich ja auch einen schönen Artikel dazu.

    Ich glaube nicht, daß nur Gemeinderabbiner in der jeweiligen Stadt zum Gijur berechtigt wären. Es geht schließlich „nur“ um den Unterricht.

    Zum Thema Morgenpost stimme ich gern zu. Vielleicht sollte man dort einfach vor Veröffentlichung jemanden fragen, der sich damit auskennt 😉

  3. Nein, es geht nicht „nur“ um den Unterricht, sondern dass Konversionskandidaten in eine Gemeinde hineinwachsen. Und das ist bei dieser Praxis nicht unbedingt gewährleistet.

  4. Nun, die Konvertiten, die ich kenne, nahmen auch sehr am Gemeindeleben teil, ohne, daß ein Rabbiner die Anwesenheit prüfte. Sicher gibt es auch Ausnahmen 😉

  5. Anonym Anonym

    Vermutlich geht so eine Praxis nur dort, wo ein Vakuum vorherrscht. Normalerweise ist der Gemeinderabbiner oder der Rabbiner der jeweiligen Synagoge auch der Rabbiner für die Konvertiten.
    Mir scheint diese Praxis ein wenig beliebig und unverbindlich zu sein. Da kann man ja auch gleich irgendwo, in den Staaten oder sonstwo konvertieren, und danach dann eine Gemeinde suchen, die einen aufnimmt. So war das ursprünglich aber sicher nicht gedacht.

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