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Neue Kolmar Biographie


Ich war mal wieder auf einer Lesung. Dies Mal Dieter Kühn zu Gertrud Kolmar. Ein besonderes „Schmankerl“ war Kühn Lesepartnerin: Fritzi Haberlandt.

Was mir besonders gefiehl war, daß Kühn nicht die allgemein bekannte Kolmar vorstellte. Er spann einen Bogen durch ihr Leben und beide lasen kurze Abschnitte aus ihrem Werk vor. Sehr schön war Haberlandts Premiere eines Monologs Kolmars „Moblierte Dame – Mit Küchenbenutzung gegen Haushaltshilfe“. Dieser Monolog wurde noch nie aufgeführt da er entweder zu kurz oder eben auch schwer zu vermitteln ohne das nötige Hintergrundwissen ist. Haberlandt war kurz gesagt: GROSSARTIG! Man merkte, daß sie selbst großen Spaß daran hatte.

Dieses andere Bild, das Kühn in der Lesung zeigte, machte mir viel Lust auf Kolmar. Das Buch werde ich bestimmt lesen. Im Studium hatte man mir die Kolmar nicht gerade schmackhaft gemacht. Nun, es ist alles immer Ansichtssache.

Allerdings wurde die Veranstaltung durch eine Dame „gekrönt“, die regelrecht ausflippte, weil sie meinte, Kolmar würde nicht so dargestellt, wie sie sollte. Die Zugänge sind sicherlich verschieden, dennoch kann man sie ja auch vernünftig darlegen. Sowas, wie gestern habe ich noch nie erlebt.

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2 Kommentare

  1. Anonym Anonym

    Ich habe die Lesung nicht gehört aber das Buch gelesen. Ich halte den Umgang des Autors Kühn mit der jüdischen Dichterin Kolmar für sehr fragwürdig. Es zieht sich durch sein Buch, dass er das „jüdische“ an der Kolmar nicht wahr nehmen kann oder will. So meint er tatsächlich, dass vor der Machtergreifung Gertrud Kolmar nur eine Deutsche Jüdischen Glaubens gewesen sei. Erst die Nazis hätten das jüdische Thema bei Ihr durch die Verfolgung in den Vordergrund gedrängt. Demgemäß konsequent sieht er in der Bezeichnung als „deutsch-jüdische“ Dichterin eine nachträgliche Ghettoisierung.

    Dies ist so falsch wie es nur sein kann. Bei der Kolmar wie auch bei anderen deutsch-jüdischen Dichtern ist das jüdische als Kultur bei genauer Betrachtung, auch wenn keine jüdischen Themen angesprochen werden, erkennbar. Dies ist bei Kafka inzwischen anerkannt. Richtig ist somit, dass die Kolmar wie auch die anderen deutsch-jüdischen Dichter anzuerkennen sind auch in ihrer Andersartigkeit. Kühn stülpt seine seine Sicht über die Autorin und versucht nicht ihre sie in ihrer besonderen Betroffenheit zu verstehen. Kurz gesagt es fehlt ihm an Respekt vor der Autorin Gertrud Kolmar.

  2. Vielen Dank, liebe/r Anonym für die Rezension. Ein wirkliches Urteil kann ich mir auch erst erlauben, wenn ich das Buch gelesen habe. Ich habe in meinem Umfeld erlebt, daß die „Betroffenheit“, wie Du sie auch erwähnst, eher abschreckend wirkt. Daher fand ich persönlich die Auswahl der beigetragenen Stücke und Gedichte eher positiv.

    Du hast recht, Kühn hat tatsächlich erwähnt, daß das jüdische für die Kolmar erst an Bedeutung gewann, als die Zeiten immer bedrängender wurden.
    Ich bin allerdings auch überzeugt, daß Kühn kein Biograph im wissenschaftlichen Sinne ist.

    Also von mir eine ernsthafte Besprechung des Buches nach dem lesen. Soweit kann ich nur von der Veranstaltung berichten, die wirklich sehr schön war.

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