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Erinnerungen nach sieben Jahren

Irgendwie seltsam, das Leben läuft heute wie jeden Tag. Wer denkt noch daran, wie sich unser aller Leben vor sieben Jahren veränderte? Wer denkt noch an die Gerüchte, Diskussionen und vor allem an all das Leid, daß begann?

Ich hatte damals zwei Tage zuvor im JMB angefangen. Am 11. September sollte die Eröffnung für das Publikum stattfinden. Am Tag zuvor war nur für die Stifter geöffnet. Für mich eine der schönsten Tage, auch, wenn ich „nur“ an der Treppe stand. Diese Tag hatte mich dennoch dank vieler sehr interessanter Gespräche geprägt.
Nun am 11. nachmittags sollte es so weit sein. Wir sollten uns zur Vorbesprechung einfinden. Ich hatte an diesem Tag keine Uni. Seltsamerweise lief CNN zuhause. Ich hörte nicht zu, sah nur beim Vorbeigehen einen rauchenden Turm, einen Menschen davor. Von einem Unglück war die Rede. Schrecklicher Gedanke, das allein schon. Doch dann, dann kam irgendwann das zweite Flugzeug und flog nicht nur vor meinen Augen in den anderen Turm. Wie es weiterging wußte ich nicht, ich mußte los, zur Arbeit. Etwas verstört, aber dennoch noch keine Ahnung über die Tragweite. Wer denkt schon daran, was später gewiß wurde?

Im Museum die Zusammenkunft im Pausenraum. Erste Unsicherheiten bemerkbar. Viele wußten nicht, daß überhaupt was passiert war. Und schon kamen die ersten Bemerkungen: „was interessiert mich das, ich kenn da eh keinen.“, „Die haben’s doch nicht anders verdient“… Und nur zwei Tage später durfte ich mir anhören, „daß doch eh die Juden dahinter stecken.“

Was darauf folgte wissen wir. Der private Spießrutenlauf, Jude, amerkanischer Freund… es war nicht schön. Mit den Jahren hat es sich gelegt. Die Gerüchte mehr oder weniger. Viele glauben noch immer an Verschwörungen. Aber was ist geblieben? Mißtrauen, Blicke in den Himmel, wenn etwas fliegt, wo sonst nichts fliegt, wieder Mißtrauen, Hass, mehr Vorurteile…. Ist denn nur negatives geblieben? Sind die Menschen nicht auch etwas zusammengerückt? NYC nach dem Anschlag war eine andere Stadt, die Stadt in der ich lebte war ein anderes NYC als das, das die Menschen heute wieder sehen. Die Station der Feuerwehr nebenan mit einem Blumenmeer überdeckt, die Bilder der Toten jeden Tag vor Augen. Die Menschen waren zusammengerückt, doch es hielt nicht lang an. Wahrscheinlich ist der Mensch so gestrickt.

10th Battalion, 159 East 85th street

Ich allerdings habe wieder eines behalten. Das Leben ist kurz, kann noch kürzer sein. Wir müssen das beste daraus machen, die beste Welt, die es gibt. Es hilft kein Mißtrauen, keine Vorurteile, kein Schönreden. Wir alle sind beteiligt, nur jeder einzelnde kann diese Welt besser machen, aufstehen gegen Dinge, die nicht recht sind, nicht immer nur an den eigenen Vorteil denken. Einfach mal nett sein und lächeln! Tikkun Olam!

P.S. Das Museum öffnete übrigens nicht an diesem Tag für die Öffentlichkeit. Zwei Tage später wurden die Türen ohne Festivität geöffnet…

1 kommentar

  1. Anne Anne

    tikkun olam… 🙂
    danke für diesen Blog!

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