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Umgezogen

So, nun bin ich wieder am Netz. Die zwei Wochen – oder waren es mehr? – ohne taten auch sehr gut. Die Kartons sind noch nicht alle ausgepackt und auch die Möbel sind noch nicht alle so und dort, wie und wo sie sein sollten.

Ich bin wieder „nach Hause“ zurückgekehrt. Nur eine Straße weiter von dem Haus in dem ich aufwuchs. Irgendwie ist es, als wäre ich nie weg gewesen. Aber etwas hat sich doch verändert, wie ich bei meinen Streifzügen bemerkt habe: Pankow hat seine jüdische Geschichte entdeckt. Das große jüdische Waisenhaus ist gemeinhin bekannt, auch die alte Zigarettenfabrik – aber das Lehrlingsheim?

Es wird restauriert, im Treppenhaus konnte ich im Vorbeigehen sehen, daß die alten Malereien und Inschriften wieder ans Licht geholt wurden. Nun aber frage ich mich, was wird daraus? Was wird aus dem Haus? Kein Hinweis darauf gibt es. In meiner Kindheit war es die von mir sehr geliebte Bibliothek. Viele Stunden habe ich in den hellen Räumen mit den vielen Büchern zugebracht und immer etwas zum Lesen gefunden. Schön wäre es, wenn es wieder eine Bibliothek würde. Auch, wenn ich gerade die vielen Kisten mit Büchern in meine Regale geräumt habe, so geht doch nichts über den Geruch und Atmosphäre einer „richtigen“ Bibliothek.

Ich frage mich, ob es hier im Bezirk genug Juden gäbe, um vielleicht doch wieder die Synagoge im Waisenhaus nutzen zu können – manchmal jedenfalls. Ich frage mich auch, wie die Pankower das Auftauchen der Erinnerung aufnehmen. Gibt es noch Leute, die hier leben und mehr als nur die Gebäude, auch noch Menschen kennen? Geschichten erzählen könnten?

Wir werden sehen, wie sich mein altes/ neues Zuhause geändert hat.

5 Kommentare

  1. Anonym Anonym

    Masal tov zum Umzug. Ein Umzug ist immer eine gewaltige Sache, auch wenn ich annehme, daß Du noch keinen Familienhaushalt wieder in die Fächer bringen mußtest!
    Ich habe eine Freundin in Pankow (sie ist keine Jüdin), die mir immer wieder von den antisemitischen und fremdenfeindlichen Schwingungen erzählt, die sie in diesem Stadtteil wahrnimmt. Ich bin gespannt, was Du dann zu berichten hast. Auf jeden Fall kenne ich wenige Juden, die gerne in Pankow leben möchten. Insofern ist eine Synagogengründung dort vermutlich eher unwahrscheinlich… und sinnvoller, die schon bestehenden eher noch mehr zu füllen.
    Israelis fühlen sich übrigens am wohlsten im Prenzlauer Berg. Selbst Friedrichshain wird schon als zu ablehnend empfunden. Interessant wäre, einmal zu wissen, wieviele Israelis tatsächlich in Mitte und Prenzlauer Berg wohnen. Es müssen inzwischen beträchtliche Zahlen sein. Die russischen Juden und die aus der alten Westgemeinde fühlen sich nach wie vor in Charlottenburg und Wilmersdorf am wohlsten. Das wird sich wohl auch kaum so schnell ändern.

    Ich wünsche Dir Schabbat Schalom!

  2. Danke für die Wünsche.

    Nun, ich bin auch gespannt. Ich bin allerdings – vielleicht auch geschichtsbedingt – nicht sehr empfindlich. Und gerade dort, wo es kaum Juden gibt, zieht es mich hin, gerade deshalb. So hast Du mich auf die Idee zu einem neuen Bericht gebracht. Werde mich demnächst daran machen. Vielen Dank also für die Inspiration!

    Vielleicht ist es auch etwas wie damals zu Wendezeiten, die Frage, gehen oder bleiben. Die Antwort: gerade bleiben…

    Und mein Traum von einer Synagogengründung – wenn es keine Träume gäbe, gäbe es viele Entwicklungen nie. Denn es muss immer ein paar „Unverbesserliche“ geben. Die geplante Gründung eines Kindergartens im Prenzlauer Berg spricht ja auch dafür, daß man sich mehr aus den „angestammten“ Gebieten wagt. Die Israelis, die ich in Berlin kenne, leben eher in Charlottenburg…

    Ach, außer Charlottenburg und Wilmersdorf gibt’s noch Schöneberg ;-).

    Shavua tov!

  3. Anonym Anonym

    „Die geplante Gründung eines Kindergartens im Prenzlauer Berg spricht ja auch dafür, daß man sich mehr aus den „angestammten“ Gebieten wagt“

    Naja, im Prenzlauer Berg leben ja, wie schon gesagt, viele Juden bzw. viele Israelis… da liegen Gründungen nahe. Lauder hat ja schon einen Kindergarten in der Gegend vor 2 Jahren gegründet und nun wohl auch eine Schule.
    Welche Gründung meinst Du denn?

    Shavua tov!

  4. Ich meinte die Gründung von Masorti.

  5. Anonym Anonym

    Ah, gründen die jetzt? Das ist ja spannend. Geplant war so ein Abzweig des Wilmersdorfer Masorti-Kindergartens ja schon vor einigen Jahren, aber in der Praxis tat sich dann nichts. Freunde von mir erzählten mir davon, mußten ihre eigene Tochter dann aber woanders hinschicken. Ich bin neugierig, ob nun wirklich etwas daraus wird und wo der Kindergarten sein wird.

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