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Andere Welten

Neulich schrieb ich über meine ersten Erfahrungen mit der „anderen“ Vergangenheit oder auch Geschichte der Familien meiner Mitschüler. Immer in diesen, wie es jetzt genannt wird: gemischten Verhältnissen unterwegs hatte ich nie sonderlich ein Problem damit. Dieses Wochenende hat mich aber doch etwas nachdenklich gemacht.

Ich war zu einer Familienfeiert eingeladen zu der auch der dazugehörige Großvater natürlich da war. Er kennt mich nun schon eine Weile. Ich kann allerdings nicht sagen, ob er etwas über meine Religion weiß. Es ist nicht wichtig für dieses Verhältnis, also gehe ich davon aus, daß er nichts weiß. Dieses mal war er überraschenderweise sehr gesprächig und erzählte mir von seiner Lehrlingszeit nach dem Krieg in Berlin. Da ich sehr berlinaffin bin, machte ich die Ohren auf und lauschte. Ich finde es interessant, wie sich Berlin vor der endgültigen Teilung für die hier Ansässigen anfühlte. So erfuhr ich, daß er der letzte Jahrgang war, der 1948 noch seine Ausbildung abschließen durfte, danach war das für die „aus dem Osten“ nicht mehr möglich.

Dann allerdings glitt er ab in seine Soldatenzeit, die davor lag. Das war nun wirklich etwas Neues für mich, eine neue Erfahrung und noch immer denke ich darüber nach. Hätte ich mehr fragen sollen? Provokant sein? Nachhaken? Ich habe ihn erzählen lassen. Dominiert wurde die Geschichte von der Freundin, die er damals hatte, vom Weg, den er gefunden hatte zu desertieren, nur Tage bevor der Krieg vorbei war… Mit Sicherheit ist er niemand, der diese Zeit glorifiziert, sich nicht melancholisch danach sehnte, es Unsinn nannte. Dennoch war mir etwas flau. So hatte ich am Ende des Abends doch wieder dieses Gefühl zwischen den Stühlen….

Allerdings wurde in großer Runde dann über ein anderes Thema gesprochen – wie es doch besser im Osten war. Ich habe mich auf keine Diskussion eingelassen, mir meinen Teil gedacht und mich in Gedanken gewundert, wie dumm die Menschen denn noch sein können…. Glücklicherweise entpuppten sich doch die anderen Anwesenden als Verfechter „der neuen Zeit“ mit allen Vor- und Nachteilen. Manchmal muß man eben selbst nichts sagen…

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